Erbe und Erbschaft im Zugewinn und Zugewinnausgleich

Grundsätzlich ist ein Erbe im Zugewinn nicht auszugleichen.

  1. Die Erbschaft in der Zugewinngemeinschaft zwischen Heirat und Beantragung der Scheidung.
  2. Das Erbe fällt nicht in den Zugewinnausgleich bei Scheidung.
  3. Die Besonderheit bei Immobilien als Erbe in der Zugewinngemeinschaft.
  4. Der Zugewinnausgleich unterliegt nicht der Erbschaftsteuer.
  5. Ein einfaches Beispiel zur Berechnung des Zugewinnausgleich mit einer Erbschaft.
  6. Praxistipp: Erbe und Erbschaft im Zugewinn.

1. Die Erbschaft in der Zugewinngemeinschaft zwischen Heirat und Beantragung der Scheidung gehört dem Erben.

Wird ein Ehepartner in der Ehe Erbe, gehört ihm die Erbschaft allein. Der andere Ehepartner ist daran nicht beteiligt und hat insoweit auch keine Ansprüche an dem Erbe. An dieser Zuordnung ändert sich auch dann nichts, wenn das ererbte Vermögen für gemeinsame Zwecke, die der gesamten Familie zu Gute kommen, verwendet wird. Denn im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gibt es kein gemeinsames Vermögen. Jeder Ehegatte ist Eigentümer seines eigenen Vermögens.

2. Das Erbe fällt nicht in den Zugewinnausgleich bei Scheidung.

Sofern die Eheleute nicht etwas anderes vereinbart haben, leben sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, die am Tag der Heirat beginnt und mit Rechtskraft der Scheidung endet. Das Vermögen am Tag der Eheschließung wird Anfangsvermögen genannt. Das Vermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages wird Endvermögen genannt. Ist das Endvermögen eines Ehepartners höher als dessen Anfangsvermögen, spricht man vom Zugewinn. Ist der Zugewinn eines Ehepartners höher als der Zugewinn des anderen, ist die Differenz hälftig auszugleichen. Das ist der Zugewinnausgleich. Auch wenn es in der Ehe kein gemeinsames Vermögen gibt, ist dieser Ausgleich für den Fall  der Scheidung so vorgesehen. Damit wird jeder Ehepartner an dem nach der Heirat von jeweils anderen Partner erwirtschafteten Vermögen gleichberechtigt beteiligt. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist jedoch keiner. Jeder Ehepartner erwirbt und behält sein Vermögen für sich. Bei Scheidung findet nur dann ein Ausgleich statt, wenn ein Ehepartner ein höheres Vermögen erworben hat. Auszugleichen ist jedoch nur der Vermögenszuwachs, der im weiteren Sinn „erwirtschaftet“ wurde. Das trifft auf einen Vermögenserwerb durch Erbschaft nicht zu. So weit so gut. Damit das Erbe eines Ehepartners nicht zu einem Zugewinnausgleich führt, wird dieser Ehegatte bei der Berechnung seines Zugewinns so behandelt, als ob die Erbschaft bei Heirat bereits vorhanden gewesen wäre. Das Erbe wird dem Anfangsvermögen hinzugerechnet. Wenn das Erbe bei Zustellung des Scheidungsantrages wertmäßig noch vorhanden ist, ergibt sich insoweit dann kein Vermögenszuwachs. Die Erbschaft ist im Zugewinn damit grundsätzlich neutral.

3. Die Besonderheit bei Immobilien als Erbe in der Zugewinngemeinschaft.

Es macht für den Zugewinnausgleich zunächst keinen Unterschied, ob ein Ehepartner Erbe eines Hauses, einer Eigentumswohnung, Erbe von Ackerland, Grünland oder Wald oder Erbe von Barvermögen wird. Es gilt immer der Grundsatz, dass die Erbschaft als solche im Zugewinnausgleich unberücksichtigt zu bleiben hat. Das gilt jedoch nicht für Wertsteigerungen einer geerbten Immobilie. Werterhöhungen des Hauses, der Eigentumswohnung, des Ackerlandes oder Waldes sind im Zugewinnausgleich zu berücksichtigen. Wird die nach der Heirat geerbte Immobilie renoviert und modernisiert und ergibt sich daraus eine Werterhöhung, dann fällt diese Werterhöhung auch in den Zugewinn des Eigentümers. Das gilt auch für Werterhöhungen der Immobilie zwischen dem Erbfall und der Zustellung des Scheidungsantrages infolge gestiegener Immobilienpreise. Werterhöhungen stellen Zugewinn dar.

4. Der Zugewinnausgleich unterliegt nicht der Erbschaftsteuer.

Der Zugewinnausgleich bei Scheidung unterliegt nicht der Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer. Der Zugewinnausgleichsanspruch eines Ehepartners bei Scheidung ist erbschaft- und schenkungsteuerfrei (§ 5 ErbStG).

5. Ein einfaches Beispiel zur Berechnung des Zugewinnausgleich mit einer Erbschaft.

Peter hat bei Heirat ein Vermögen von 50.000,00 €. Er erhält in der Ehe für seinen Erbteil aus der Erbengemeinschaft des Vaters 80.000,00 €. Bei Zustellung des Scheidungsantrages hat er ein Vermögen von 200.000,00 €.

Wie hoch ist sein Zugewinn?

  1. Anfangsvermögen: 50.000,00 €
  2. Hinzurechnung zum Anfangsvermögen: 80.000,00 €
  3. Anfangsvermögen gesamt: 130.000,00 €
  4. Endvermögen: 200.000,00 €
  5. Zugewinn: 70.000,00 € 

Peters Frau Ursula erzielte in der Ehe keinen Zugewinn. Sie hat deshalb gegen Peter Anspruch auf Zahlung von 35.000,00 € Zugewinnausgleich (die Hälfte der 70.000,00 € Zugewinn bei Peter).

6. Praxistipp: Erbe und Erbschaft im Zugewinn.

Ein Ehepartner, der in der Ehe eine Erbschaft erhält sollte sich in jedem Fall folgende Dokumente aufbewahren:

  • den Erbschein,
  • das Testament,
  • den Erbschaftsteuerbescheid,
  • Kontoauszüge zu ausgezahltem Erbe,
  • Vereinbarungen über Erbauseinandersetzung.

Das ist wichtig, denn der Ehepartner, der im Zugewinnausgleichsverfahren behauptet einen bestimmten Vermögenswert geerbt zu haben, trägt dafür auch die Beweislast.

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