Die Scheidung im Überblick.

Sie denken über eine Scheidung nach? Der Artikel beschreibt den Ablauf und was Sie dabei besser machen können als der Andere. Er richtet sich an Frauen wie Männer, denn bei einer Scheidung machen alle das Gleiche durch. Nur weil es kürzer ist, schreibe ich hier vom „Ehepartner“.

Eine Scheidung stellt Sie vor zwei große Aufgaben. Eine der Aufgaben ist die emotionale Bewältigung der Scheidung. Wenn Sie von einer Scheidung betroffen sind, stehen Sie Anfangs unter Schock. Ihre erste Aufgabe ist die Gefühle so zu verarbeiten, dass Sie Ihr inneres Gleichgewicht wieder finden. Die zweite Aufgabe ist die Scheidung im Kopf. Dabei sind die rechtlichen Folgen zu regeln. Erfahrungsgemäß fällt die zweite Aufgabe leichter, wenn die erste gelöst ist.

Der emotionale Teil der Scheidung.

Die schwierigere Aufgabe ist die emotionale Bwältigung der Scheidung, weil Sie die allein schaffen müssen. Ihre Gefühlseindrücke können Sie nur selbst bewältigen. Die meisten Menschen machen dabei vier verschiedene Entwicklungsstufen durch, die sich nicht immer so scharf abgrenzen lassen, wie hier beschrieben. Dabei gibt es immer mal wieder ein vor und ein zurück.

Stufe Hoffnung

Anfangs lehnen Sie den Gedanken an eine Scheidung ab. Jeder Scheidung geht eine Trennung voraus. Zu Beginn der Trennung kämpfen Sie noch um die Ehe. "Das Ganze kann doch einfach nicht wahr sein." Sie mühen sich ab, alles wieder gut zu machen. Sie möchten den Partner von sich überzeugen. Der Ehepartner - der die Scheidung möchte - ist gefühlsmäßig dann oft schon auf Stufe zwei.

Stufe Ablehnung

Auf der zweiten Stufe wird Ihnen bewusst, dass die Ehe keinen Sinn mehr hat. Diese Phase ist von Abneigung, Selbstzweifeln, Eifersucht, Angst, Wut und innerer Unruhe geprägt. Viele Menschen empfinden auch körperliche Beschwerden; viele schlafen schlecht, ziehen sich von Freunden zurück oder werden rastlos.

Stufe Neuorientierung

Auf dieser Stufe lösen sie sich langsam von der Ehe und dem Ehepartner. Sie beginnen, das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die negativen Gefühle nehmen ab. Die Selbstzweifel nehmen ab. Sie denken nicht mehr so oft an das was war, was sie verletzt hat oder was sie nicht mehr haben werden. Sie denken mehr daran, was Sie können und was Sie für sich tun können. Neue Ziele rücken in Ihren Blick.

Stufe Gleichgewicht

Auf dieser Stufe haben Sie die Scheidung emotional bewältigt. Sie haben ihr inneres Gleichgewicht zurück. Sie haben Selbstvertrauen. Die Ehe liegt hinter Ihnen. Sie verstehen jetzt auch warum das so ist. Die Scheidung ist jetzt emotional bewältigt, weil Sie wieder eine Zukunftsperspektive haben. Ihr Leben geht weiter und das fühlt sich gut an.

Der rationale Teil der Scheidung.

Die zweite Aufgabe bei einer Scheidung besteht darin, die rechtlichen Folgen zu regeln. Dabei sollte der gesunde Menschenverstand im Vordergrund stehen. Aufwand und Nutzen müssen ein sinnvolles Verhältnis bilden. Gesetzlich geregelte Scheidungsfolgen sind

  • der Kindesunterhalt,
  • der Umgang,
  • das Sorgerecht,
  • der Ehegattenunterhalt,
  • die Nutzung der Ehewohnung,
  • die Verteilung der Haushaltsgegenstände,
  • der Ausgleich der Rentenanwartschaften und
  • der Ausgleich des in der Ehe erworbenen Vermögens.

Eine Besonderheit ergibt sich, wenn Eheleute ein Haus oder eine Eigentumswohnung gemeinsam besitzen. Die Aufhebung einer Grundstücksgemeinschaft gehört nicht zu den gesetzlichen Scheidungsfolgen. Eheleute könnten auch geschieden werden, wenn sie weiter Miteigentümer des Grundstücks blieben. Erfahrungsgemäß geht das nach der Scheidung aber nicht lange gut.

Erst Bauch-, dann Kopfscheidung.

Wenn Sie bereits auf Stufe drei oder vier der emotionalen Bewältigung angekommen sind, wird Ihnen die Klärung der Scheidungsfolgen viel leichter fallen. Leider ist das bei vielen Menschen nicht der Fall. Viele bleiben auf Stufe zwei stehen, haben schlaflose Nächte und am Ende das Gefühl, der Andere sei besser weggekommen. Tatsächlich ist der Andere seinerseits ebenfalls unzufrieden und denkt, dass er den Kürzeren gezogen hat. Normalerweise fühlen sich beide während und nach der Scheidung so und sind gleich unzufrieden.

Gut, wie ist das mit Ihnen? Können Sie etwas tun, um sich während und nach Ihrer Scheidung besser zu fühlen, um schnell zu Stufe vier der Bauch-Scheidung zu kommen?

Ich denke ja; und möchte Ihnen dazu fünf Gedanken mit auf den Weg geben. Probieren Sie das aus und Sie werden sich viel besser fühlen, versprochen.

Fünft Schritte zur "besseren" Scheidung.

Seien Sie realistisch.

Das ist ein harter Einschnitt in Ihr gewohntes Leben. Gehen Sie die Scheidung mit realistischen Vorstellungen an. Die Dinge entwickeln sich nicht immer so, wie Sie das möchten. Erwarten Sie nicht von vornherein, dass sich bei Ihrer Scheidung alles so fügt, wie Sie sich das vorstellen. Manche Dinge werden aus Ihrer Sicht einfach schief gehen. Die Rechtsprechung könnte sich für Sie nachteilig ändern oder die Richterin mag Ihre Argumente nicht. Stellen Sie sich von Anfang an auf so etwas ein. Wenn Sie von Anfang an mit realistischen Erwartungen an die Sache herangehen, werden Sie sich viel besser fühlen.

Schauen Sie in die Zukunft

Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie in Ihrem Leben zukünftig erreichen wollen. Bleiben Sie nicht in der Vergangenheit stecken. Durchleben Sie nicht noch einmal und immer wieder jeden Streit, den Sie mit dem Anderen hatten. Bewegen Sie sich vorwärts. Denken Sie bei den Verhandlungen über die Scheidungsfolgen nicht an die Differenzen mit dem Ehepartner. Es ist wichtig für Sie, dass Sie sich auf Ihr zukünftiges Leben konzentrieren. Treffen Sie Ihre Entscheidungen nicht auf der Grundlage von dem, was war, sondern orientieren Sie Ihre Entscheidungen nur daran, was Sie in Zukunft machen wollen und wie Sie in Zukunft leben möchten.

Hören Sie positiven Menschen zu.

Lassen Sie sich nicht von Freunden oder Verwandten behindern, die Sie bedauern, ständig Mitleid zeigen und Sie in Ihrem Unglück bestärken. Hören Sie schon gar nicht auf den anderen Ehepartner. Sie können sich entscheiden. Sie können sich ein neues Leben aufbauen. Sie können darin Ihr neues Glück finden. Sicher ist es schwer, in Ihrer Situation in die Zukunft zu schauen und sich bewusst für aktives Gestalten zu entscheiden. Wir alle kennen aber Geschichten von Leuten, die gelernt haben, zufrieden und glücklich zu leben, obwohl deren Lebensumstände noch viel schwieriger waren, als die, in denen Sie sich jetzt befinden. Sie haben es in der Hand, Sie haben die Wahl und zwar vollkommen unabhängig davon, wie Ihre jetzige Situation aussieht. Sie können sich entscheiden, entweder unglücklich weiter oder zukünftig glücklich zu leben. Entscheiden Sie sich für Letzteres.

Suchen Sie sich neue Aufgaben.

Noch einmal: Sitzen Sie nicht herum und warten Sie darauf, glücklich zu werden. Werden Sie aktiv, planen Sie eine kleine Reise, fahren Sie Fahrrad, gehen Sie schwimmen, nehmen Sie ein altes Hobby wieder auf oder ändern Sie Ihre Frisur. Sie werden sehen, auch mit ganz kleinen Dingen erreichen Sie eine ganz große Wirkung für sich selbst. Fangen Sie jetzt damit an. Führen Sie in Ihrem Leben eine erste kleine Veränderung herbei. Engagieren Sie sich.

Versuchen Sie es mit Vergebung.

Seien Sie bereit und willens, anderen das zu vergeben, was die Ihnen angetan haben. Viel zu oft erwische ich mich selbst dabei, über andere verärgert zu sein. Dadurch wird aber kein Problem gelöst. Die anderen wissen ohnehin nicht, dass ich mich über sie ärgere. Wenn ich das tue, gestatte ich denen aber einen Teil meiner Gedanken und damit auch einen Teil meiner Energie in Anspruch zu nehmen. Der einzige Weg über so eine Situation hinwegzukommen, ist es zu vergeben. Gelingt mir das, habe ich mich von den Anderen befreit und mir steht meine ganz Kraft wieder für meine Aufgaben zur Verfügung. Die Anderen verlieren damit dieses kleine Stück Kontrolle über meine Gedanken.

Sie können das auch. Vergeben Sie dem Ehepartner und zwar jetzt. Sie tun das nicht für den anderen, Sie tun das ausschließlich und allein für sich. Glauben Sie mir. Das funktioniert, Sie werden sich besser fühlen, ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Sie schaffen das auch.

So ich hoffe, Sie haben jetzt ein paar Ideen, wie Sie besser durch die Scheidung kommen. Zweifellos ist das für Sie eine schwere Zeit. Ich bin seit mehr als 20 Jahren Scheidungsanwalt. Ich habe vielen Menschen zugehört, die ihr Leben wegen einer Scheidung neu gestalten mussten und dabei wieder froh geworden sind. Sie schaffen das auch.

Alles Gute und viel Erfolg.