Wie Sie einen guten Scheidungsanwalt finden.

Sie suchen einen guten Scheidungsanwalt und fragen sich, woran gut zu erkennen ist. Sie haben keine Zeit für aufwendige Recherchen. Ihre Arbeit, die Kinder, ein Umzug; es gibt Wichtigeres, als die Anwaltssuche. Hier sind 11 Tipps, die helfen zu erkennen, wer gut ist.

Der Anwalt sollte Scheidungsanwalt sein.

Würden Sie sich von einem Arzt für Allgemeinmedizin am Herz operieren lassen? Sicher nicht. Aus dem gleichen Grund sollten Sie bei Ihrer Scheidung einen Anwalt haben, der nur im Familienrecht arbeitet. Scheidungsrecht ist komplex und emotional anspruchsvoll. Deshalb werden Beschwerden gegen Beschlüsse der Amtsgerichte am Oberlandesgericht in Dresden verhandelt, dem höchsten sächsischen Zivilgericht. Im Familienrecht auf dem Laufenden zu bleiben, ist ein Vollzeitjob. Eine Scheidung kann schnell schwierig werden, wenn Unterhalt geklärt und Vermögen aufgeteilt werden muss. Ein Scheidungsanwalt hat in vielen Scheidungen die außergerichtlichen und gerichtlichen Verhandlungen geführt. Er kennt die besonderen Zusammenhänge und weiß worauf es ankommt.

Ein guter Scheidungsanwalt verspricht nichts Falsches.

Kein Anwalt kann Ihnen das Ergebnis Ihres Falls im Voraus garantieren. Es gibt grundsätzlich nur zwei Wege, die Folgen einer Scheidung zu regeln. Entweder werden alle Scheidungsfolgen

  • in einem Vertrag außergerichtlich geklärt
  • oder das Familiengericht entscheidet darüber.

Im ersten Fall müssen beide Eheleute der Vereinbarung zustimmen. Wie könnte Ihnen der Anwalt garantieren, das der Ehepartner allen Ihren Vorschlägen zustimmt? Im zweiten Fall entscheidet das Gericht über die einzelnen Scheidungsfolgen. Wie könnte der Anwalt garantieren, dass die Richterin die Sachen nur in Ihrem Sinn entscheidet? Ein seriöser Scheidungsanwalt präsentiert Ihnen einen vernünftigen Ansatz für die Regelung der Scheidungsfolgen. Der Vorschlag basiert auf der Grundlage des Gesetzes, den Fakten und den Beweismitteln in Ihrem Fall. Große Worte helfen nicht und bringen Sie nicht zum Ziel. Sie brauchen einen Anwalt an Ihrer Seite, der weiß wie Lösungen erarbeitet werden, gleich ob außergerichtlich oder vor Gericht.

Einen guten Scheidungsanwalt erreichen Sie immer direkt.

Angenommen Sie beauftragen den Anwalt nach der Erstberatung. Sie haben ein gutes Gefühl dabei. Sie vertrauen dessen Fähigkeiten. Die Bearbeitung Ihres Falls läuft. Später, wenn Sie Fragen zu Einzelheiten der jeweiligen Schreiben haben, rufen Sie im Anwaltsbüro an. Sie werden aber nicht zum Anwalt durchgestellt. Sie erreichen ihn telefonisch nicht oder nur selten. Das frustriert Sie. So hatten Sie sich das nicht vorgestellt. Fragen Sie den Anwalt bereits im ersten Beratungsgespräch, wie sie miteinander kommunizieren werden. Ist der Anwalt bereit, Ihnen seine Mobilfunknummer zu geben, sind Sie sicher richtig.

Ein guter Scheidungsanwalt sagt Ihnen vorher was es kostet.

Was die Arbeit des Anwalts kostet, sollten Sie gleich zu Beginn erfragen. Arbeitet der Anwalt auf der Grundlage einer Pauschalvergütung, rechnet er nach Stunden oder nach dem Verfahrenswert ab? Bei einer Abrechnung nach Stunden sollten Sie immer fragen, was getan werden muss und wozu es nützlich ist. Bei einer Abrechnung nach dem Verfahrenswert werden Sie wohl erst nach dem Abschluss Ihres Falles genau erfahren, was der Anwalt gekostet hat. Bei einer Pauschalvergütung müssen Sie sich nicht um den Arbeitsaufwand sorgen und wissen von Anfang an, wie viel Sie zahlen. Eine Pauschalvergütung ist für Sie oft günstiger als eine Honorarvereinbarung mit der nach Stunden abgerechnet wird. Die eindeutige Absprache über die Höhe der Kosten Ihrer Scheidung ist ein wesentliches Kriterium für die Anwaltssuche.

Empfehlungen sind hilfreich.

Empfehlungen von Freunden und Bekannten sind immer hilfreich. Wenn einer Ihrer Freunde jedoch eine schlechte Erfahrung mit seiner Scheidung gemacht hat, wird er - unabhängig vom Ergebnis seines Falls - auch seinen Anwalt nicht mögen oder dessen Fähigkeiten anzweifeln. Das ist oft so, wenn die betreffende Person vom anderen Ehegatten für einen neuen Partner verlassen wurde. Dann ist die gesamte Erfahrung der Scheidung so negativ, dass dieser Rechtsanwalt - unabhängig vom Ergebnis - nicht weiter empfohlen wird. Sich aus verschiedenen Quellen zu informieren, ist besser. Hören Sie sich weiter um, auch wenn Ihnen ein Anwalt als „der beste Scheidungsanwalt“ oder eine Anwältin als „die beste Scheidungsanwältin“ empfohlen wird. Prüfen Sie, ob in solchen Fällen „beste“ nicht „beschäftigtste“ meint. Wenn Sie mit dem Anwalt in der Erstberatung sprechen, verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Haben Sie ein unsicheres Gefühl, suchen Sie weiter.

Scheidungsanwältin oder Scheidungsanwalt?

Es gibt Menschen, die fühlen sich mit einer Frau als Anwältin an ihrer Seite sicherer als mit einem Mann und umgekehrt. Das hängt von der jeweiligen persönlichen Einstellung ab. Wenn Sie sich mit einer Anwältin besser fühlen als mit einem Anwalt, dann ist das so. Folgen Sie Ihrem jeweiligen Gefühl. Wichtig ist, dass sich Ihre Entscheidung für Sie gut anfühlt. Frau oder Mann ist nur ein gefühltes Auswahlkriterium. Glauben Sie nicht, dass eine Person wegen ihres Geschlechts überlegener sein kann als eine vom jeweils anderen. Das ist weder beim Fußball, noch im Scheidungsverfahren so. Es kommt immer nur auf die Spezialisierung, also den Trainingsstand der Anwältin oder des Anwalts an.

Einen guten Scheidungsanwalt verstehen Sie.

Eine Scheidung ist eine schwierige Sache. Da wollen Sie keinen Anwalt an Ihrer Seite, den Sie nicht verstehen. Ein guter Anwalt erklärt Ihnen in verständlichem Deutsch worum es geht. Viele Eheleute verstehen die Fachbegriffe nicht; was ganz normal ist. Zum Beispiel bedeutet der Versorgungsausgleich die gleichmäßige Verteilung der Renten, die in der Ehe angespart worden sind. Zugewinnausgleich ist der hälftige Ausgleich des Vermögens, das in der Ehe erworben worden ist. Also fragen Sie immer nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Fragen Sie so lange, bis Sie es verstanden haben. Beauftragen Sie keinen Anwalt, bei dem Sie das Gefühl haben, nicht fragen zu dürfen, weil Ihre Fragen stören könnten.

Ein guter Scheidungsanwalt muss nicht Fachanwalt sein.

Kommt es darauf an, was drauf steht, oder was drin ist? Um Fachanwalt für Familienrecht zu werden muss der Anwalt einen Kurs besuchen, einige schriftliche Prüfungen bestehen und eine gewisse Anzahl bearbeiteter Fälle nachweisen. Wer den Titel führt, muss regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen. Das ist mit einigem Aufwand verbunden; aber gut machbar, ohne im Familienrecht wirklich spezialisiert zu sein. Es gibt richtig gute Scheidungsanwältinnen und Anwälte, die keinen Fachanwaltstitel führen. Namen sind Schall und Rauch, sagt man. Titel auch. Schauen Sie deshalb nach weiteren Anhaltspunkten für die Qualifikation des Anwalts.

Bereiten Sie sich auf das Erstgespräch vor.

Gehen Sie vorbereitet in das erste Gespräch mit dem Anwalt. Stellen Sie Fragen. Hier einige Beispiele: Wie lange praktizieren Sie im Scheidungsrecht? Bearbeiten Sie auch andere Rechtsgebiete? Wie hoch ist der Prozentsatz an Familienrecht? Wie viele Scheidungen haben Sie vertreten? Wie rechnen Sie Ihre Arbeit ab?

Ein guter Scheidungsanwalt setzt Ihre Kinder an erste Stelle.

Wenn in Ihrem Fall auch Kinder betroffen sind, sollte deren Wohlergehen im Vordergrund aller Überlegungen stehen. Dann suchen Sie einen Anwalt, der mit Feingefühl deren Bedürfnisse berücksichtigt. Die Scheidung haben Sie nach einiger Zeit überstanden. Eltern bleiben sie für den Rest des Lebens. Da gefährden Sie nicht das Wohlergehen Ihrer Kinder für einen scheinbaren Vorteil gegenüber dem anderen Elternteil. Und sicher suchen Sie auch keinen Anwalt, der Ihnen so einen Rat geben würde. Denken Sie immer daran, Ihre Kinder sind nicht für die Scheidung verantwortlich und müssen vor deren Auswirkungen geschützt werden. Eine Scheidung verletzt Ihre Gefühle und ist schmerzlich. Versuchen Sie dennoch mit Blick auf die Kinder eine höhere Perspektive einzunehmen, die Verletzungen mit Abstand zu betrachten und einen Anwalt zu finden, der Ihnen dabei hilft.

Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl.

Wenn Sie mit dem Anwalt in der Erstberatung sitzen und über die Scheidung sprechen, verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Haben Sie kein gutes Gefühl dabei, suchen Sie weiter. Sie müssen auf keinen Fall einen Anwalt beauftragen, weil Ihnen alle Freunde dazu raten. Das ist allein Ihr Leben, Ihre Scheidung und Ihre Entscheidung. Suchen Sie, lesen Sie, hören Sie sich um und treffen erst dann eine Entscheidung auf Grund von konkreten Informationen, nicht auf Grund von Hörensagen. Das macht Sie selbstbewusster und fühlt sich besser an. Alles Gute und viel Erfolg.