Die Vereinbarung des Wechselmodells in der Praxis.

Was zu beachten ist, wenn Sie ein Wechselmodell vereinbaren.

Inhaltsübersicht

1. Das Wechselmodell als schriftliche Elternvereinbarung oder nur als mündliche Absprache?

2. Die anwaltliche Beratung zur Wechselmodellvereinbarung.

3. Der Inhalt einer Vereinbarung zum Wechselmodell.

3.1 Die Betreuungsform
3.2 Die Betreuungszeiten (Wechselfrequenz)
3.3 Die Feiertage und Feste
3.4 Die Ferienregelung im Wechselmodell
3.5 Die Übergabe der Kinder
3.6 Die Vereinbarung von Zwischendurchkontakten
3.7 Die Vereinbarung einer Probezeit 
3.8 Die Vereinbarung von Bedingungen und Befristungen
3.9 Vereinbarungen zur elterlichen Verantwortung

4. Zusammenfassung

1. Das Wechselmodell als schriftliche Elternvereinbarung oder nur als mündliche Absprache?

Das Gesetz selbst schreibt für Elternvereinbarungen keine Schriftform vor. Haben Sie sich auf das Wechselmodell geeinigt, würde dafür die mündliche Absprache genügen. Eine mündliche Vereinbarung kann von beiden Eltern, sofern Einigkeit besteht, jederzeit durch eine neue mündliche Absprache ergänzt werden. Praktisch ist das, jedoch schwierig umzusetzen. Leicht entstehen hier Meinungsverschiedenheiten über Einzelheiten und Details der Absprachen. Besteht eine Wechselmodellvereinbarung, gleich ob mündlich oder schriftlich, kann sich ein Elternteil nicht einseitig von dieser Vereinbarung lösen. Bei Meinungsverschiedenheiten werden Abänderungen durch das Familiengericht nur getroffen, wenn die Änderung aus triftigen, das Wohl des Kindes nachhaltig berührenden Gründen notwendig ist. In diesen Fällen hat die nur mündliche Wechselmodellvereinbarung den Nachteil, dass Einzelheiten der Absprachen nicht beweisbar sind. Die schriftliche Elternvereinbarung ist deshalb immer sinnvoll, denn so haben Sie eine feste Richtlinie, an die Sie sich halten können. Sie gibt Ihnen damit mehr Sicherheit. Sie können darin alle Details schriftlich festhalten. Die schriftliche Vereinbarung können Sie privatschriftlich zwischen sich regeln, von einem Rechtsanwalt aufsetzen lassen oder gerichtlich formulieren und genehmigen lassen. Ihre eigenhändige Unterschrift ist erforderlich, sollten Sie die Vereinbarung selbst erstellen. Sofern Sie unsicher sind, ob ein Wechselmodell die richtige Form der zukünftigen Betreuung der Kinder ist, vereinbaren Sie in jedem Fall eine Probezeit. Auch eine regelmäßige Überprüfung der Vereinbarung sollte mit aufgenommen werden. Denn Veränderungen ergeben sich regelmäßig. Ihre Kinder werden älter und entwickeln sich, und auch bei Ihnen können sich Veränderungen ergeben. Eine Anpassung wird dann oft erforderlich. Diese Überprüfungsmöglichkeit nimmt Ihnen außerdem den Druck, Entscheidungen „für immer“ treffen zu müssen.

2. Die anwaltliche Beratung zur Wechselmodellvereinbarung.

Bei Abschluss einer schriftlichen Wechselmodellvereinbarung kommt ganz allgemein betrachtet, psychologische, pädagogische und rechtsanwaltliche Beratung in Betracht. Zu psychologischen und pädagogischen Problemen des Wechselmodells können Sie sich von Jugendämtern, Familienberatungsstellen in freier Trägerschaft, sowie niedergelassenen Psychologinnen oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen beraten lassen. Dabei sollten Sie für sich jedoch vorab prüfen, ob der oder die Beraterin den verschiedenen Betreuungsmodellen ideologie- und vorurteilsfrei gegenüber steht. Vielfach stößt das Wechselmodell immer noch auf Ablehnung. In jedem Fall ist aber die anwaltliche Beratung sinnvoll. Denn die Wechselmodellvereinbarung wird bei Meinungsverschiedenheiten allein vom Familiengericht geprüft. Dort muss das Vereinbarte halten. Denn das Recht zum Wechselmodell wird derzeit allein durch Gerichtsentscheidungen weiter entwickelt. Es gibt dafür keine gesetzlichen Normen. Eine sinnvolle, insbesondere wirksame Elternvereinbarung kann deshalb auch nur unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung abgeschlossen werden.

3. Der Inhalt einer Vereinbarung zum Wechselmodell.

In einer Vereinbarung zum Wechselmodell sollten folgende Punkte geregelt werden:

  • Betreuungsform,
  • Betreuungszeiten (Wechselfrequenz),
  • Feiertage und Feste,
  • Ferienregelung,
  • Übergabe der Kinder,
  • Zwischendurchkontakte, 
  • Probezeit,
  • Bedingungen und Befristungen,
  • elterliche Verantwortung.

3.1 Die Betreuungsform

Wenn Sie eine abwechselnde Betreuung vereinbaren, ist es unerheblich, wie Sie diese bezeichnen, ob nun als Wechselmodell, Pendelmodell oder abwechselnde gleichberechtigte Betreuung. Sie müssen lediglich Ihre Absicht darstellen, die Kinder abwechseln zu betreuen.

3.2 Die Betreuungszeiten (Wechselfrequenz)

Zunächst einmal sollten Sie sich einigen, in welchem Zeitraum und wie der Wechsel erfolgen soll. Die sogenannte Wechselfrequenz gehört zu den wichtigsten Regelungen in der Vereinbarung. Am häufigsten erfolgt dabei ein wöchentlicher Wechsel zwischen den Haushalten der Eltern.

3.3 Die Feiertage und Feste

Für Sie selbst, aber auch für die Kinder, ist es nur gerecht, wenn die Kinder hohe Feiertage, und andere Feste abwechseln bei den Eltern verbringen. Schreiben Sie zunächst auf, welche Feiertage und Feste Ihnen dabei wichtig sind und wie eine gerechte Verteilung erfolgen soll.

Sinnvoll ist auch eine Regelung zu Geburtstagen sowohl von Ihnen als auch von den Kindern. Selbst die Ausrichtung von Kindergeburtstagen können Sie hier mit einbeziehen.

3.4 Die Ferienregelung im Wechselmodell

Auch die Ferienzeit sollten Sie in diese Vereinbarung mit einschließen. Regeln Sie die Ferienzeit nach individuellen Dingen wie z. B. Ihren Urlaubsanspruch und der Reiseplanung.

3.5 Die Übergabe der Kinder

Einigen Sie sich auf den Tag und die Uhrzeit des Wechsels. Hier gibt es 4 Alternativen:

  • Hinbringen (von Elternteil A zu Elternteil B)
  • Abholen (von Elternteil B zu Elternteil A)
  • selbstständiger Wechsel (die Kinder begeben sich allein von
  • Elternteil A zu Elternteil B)
  • neutraler Wechsel (die Kinder werden von einem Elternteil in eine Einrichtung gebracht bzw. abgeholt)

Wichtig sind dabei Modalitäten wie Zeitpunkt und Ort der Übergabe. Ein Wechsel zum Freitag ist hier meist zu empfehlen. Die Uhrzeit sollte sich dabei nach dem Alter und den Tagesabläufen des Kindes richten. Vor allem bei kleineren Kindern sollten Sie auf die Wechselzeit achten, um Routinen nicht zu stören. Augenmerk sollte hier auf Mittagsschlaf, Essenszeiten und Zubettgehzeiten gelegt werden. Auch eine eventuelle Erkrankung des Kindes sollte in Ihre Überlegungen einfließen. Bedenken Sie auch die Mitgabe der Sachen des Kindes. Die Organisation der Mitnahme von Gegenständen, sei es das Haustier, das Musikinstrument oder der Laptop ist für die Kinder sehr wichtig.

3.6 Die Vereinbarung von Zwischendurchkontakten

Ermöglichen Sie Ihren Kindern eine Kontaktaufnahme zu dem Elternteil, bei dem es sich gerade nicht befindet. Denkbar sind Regelungen wie: „Das Kind kann den anderen Elternteil jederzeit anrufen, wenn es das möchte. Der Kontakt sollte vom Kind ausgehen.“ Auch hier ist eine Regelung in Anbetracht des Alters der Kinder vorzunehmen. Bedenken Sie auch eine Regelung für eine mögliche Verhinderung der Betreuung durch einen Elternteil. Ebenso sollten Sie die Betreuung durch Dritte wie z. B. der Großeltern oder eines Babysitters in der Vereinbarung regeln. Vermeiden Sie möglichst, Regelungen zu treffen, in denen ausgefallene Betreuungszeiten nachzuholen sind. Dies kann zu Streitigkeiten führen, weil es den Wechselrhythmus durcheinander bringt. Ein Tausch wäre in dem Fall eine bessere Methode.

3.7 Die Vereinbarung einer Probezeit

Besonders nach der Trennung der Eltern befinden sich alle Familienmitglieder in einer Neuorientierungsphase. Eine passende Vereinbarung zu finden, ist nicht so einfach. Die Vereinbarung einer Probezeit kann daher empfehlenswert sein. Die Probezeit bietet Ihnen die Gelegenheit zu testen, ob dieses Modell für Sie und die Kinder machbar und sinnvoll ist. Nach der Probezeit haben Sie zudem die Möglichkeit, Veränderungen in der Vereinbarung zu treffen bzw. bestimmte Dinge anzupassen. Es sollte jedoch klar vereinbart werden, was geschieht, wenn nur ein Elternteil die Probezeit als gescheitert betrachtet. Hier ist bei der Vertragsgestaltung besondere Vorsicht geboten!

3.8 Die Vereinbarung von Bedingungen und Befristungen

Die Vereinbarung kann an Bedingungen gebunden werden, wenn dies für Sie sinnvoll erscheint. Sie können diese Bedingungen für die Zeit der Durchführung des Wechselmodells bestimmen. Denkbar sind aber auch auflösende Bedingungen, bei deren Eintritt die Vereinbarung unwirksam wird. Ferner können Sie Befristungen einbinden, die an Veränderungen im Leben der Kinder anknüpfen. Solche Bedingungen oder Befristungen können wie folgt formuliert werden:

  • „ … solange das gerichtliche Umgangsverfahren ruht ...“
  • „ … solange bis das Kind in den Kindergarten/Schule kommt ...“
  • „ … solange beide Elternteile in einem Ort wohnen ...“

3.9 Vereinbarungen zur elterlichen Verantwortung

Eine wichtige oder gar die wichtigste Frage liegt in der elterlichen Verantwortung wer was entscheiden darf. Hier liegen nach der Praxiserfahrung die Hauptursachen für einen Streit. Es gibt Entscheidungen

  • von erheblicher Bedeutung,
  • Alltagsentscheidungen,
  • Betreuungsentscheidungen.

Sie können hier die verschiedenen Verantwortungsbereiche aufteilen oder bestimmte Dinge bereits im Voraus festlegen.

3.9.1 Entscheidungen von erheblicher Bedeutung

Entscheidungen von erheblicher Bedeutung sind z. B. Wahl des Kindergartens oder der Schule oder gravierende medizinische Maßnahmen wie Therapien und Operationen.

3.9.2 Alltagsentscheidungen

Da beide Elternteile abwechselnd die Obhut der Kinder innehaben, muss eine Regelung zur Entscheidung über Alltagsfragen, also den Angelegenheiten des täglichen Lebens getroffen werden.

Hier gibt es 3 verschiedene Möglichkeiten

  • Einvernehmlichkeit: Hier können Sie bestimmen, alle Alltagsfragen gemeinsam zu entscheiden. Diese Variante ist jedoch nur zu empfehlen, wenn Sie gut miteinander kommunizieren können, denn hier ist ein hoher Abstimmungsbedarf erforderlich.
  • Vorausentscheidungen: Hier können Sie Festlegungen für die Zukunft bestimmen.
  • Aufteilung der Verantwortungsbereiche: Hier können Sie festlegen, wer für welchen Lebensbereich zuständig ist. Beispiele hierfür sind Kleiderauswahl, Sportarten, Arztwahl, schulische Themen.

3.9.3 Betreuungsentscheidungen

Konflikte gibt es oft bei Regelungen zu Ernährung, Fernsehen/Internet, Disziplin/Regeln und Schlafenszeiten. Es ist sinnvoll, sich hier gemeinsam auf feste Regeln zu einigen, die das Kind bei beiden Elternteilen gleich einzuhalten hat. Sätze des Kindes wie z. B. „bei Papa/Mama darf ich das aber“, schaffen Streitigkeiten und Stress, den beide Elternteile vermeiden möchten und sollten. Denkbar ist jedoch auch, den jeweils anderen frei entscheiden zu lassen und diese Entscheidungen zu akzeptieren. Kinder nehmen solche Dinge oft auch ganz unproblematisch auf. Auch in zusammenlebenden Familien ist es oft so, dass bei einem Elternteil mehr erlaubt wird als bei dem anderen. Kinder akzeptieren solche Dinge. Unterhalten Sie sich vor der Regelung der Vereinbarung über diese Themen, und finden Sie die für Sie am besten geeignetste Lösung. Halten Sie das Ergebnis dann schriftlich fest. Ähnliche Abläufe in beiden Elternhäusern erleichtern für Ihre Kinder oft den Alltag. Dies trifft vor allem auf jüngere Kinder zu, da es ihnen mehr Sicherheit vermittelt. Routinen helfen den Kindern, besonders bei den Themen wie Essen und Schlafen. Konflikte zwischen beiden Elternteilen sind unvermeidbar. Dabei kommt es aber nicht darauf an, dass Sie Konflikte miteinander haben, sondern wie Sie damit umgehen. Es ist daher sinnvoll, in die Vereinbarung aufzunehmen, dass Sie Konflikte nicht vor den Kindern austragen wollen und bemüht sind, das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Informieren Sie den anderen Elternteil über Dinge, die vorgefallen sind. Wie Sie das regeln, ist Ihnen überlassen. Denkbar sind dabei Mitteilungen in mündlicher Form, per Email oder in einem sogenannten Pendelheft.

4. Zusammenfassung

Bedenken Sie, es gibt keine für alle zutreffende Lösungen, sondern immer nur die für Sie passende individuelle. Über folgende Bereiche sollten Sie sich Fragen stellen und Entscheidungen treffen:

  • Wie wollen wir Eltern untereinander und gegenüber den Kindern kommunizieren?
  • Wer ist verantwortlich für was?
  • Wann ist das Kind wo?
  • Was machen wir, wenn der andere die Betreuung nicht übernehmen kann?
  • Wer entscheidet was?
  • Wie wollen wir etwas handhaben, welche Regeln gelten?
  • Was machen wir bei unvorhergesehenen Ereignissen?

Nehmen Sie sich Zeit für diese Entscheidungen. Erproben Sie die Vereinbarungen. Seien Sie geduldig mit sich, dem anderen Elternteil und den Kindern. Wenn Sie zweifeln, fragen Sie um Rat bei geeigneten Stellen. Schauen Sie auf die Entwicklung des Kindes, ob es glücklich und zufrieden ist. Ist Ihr Kind alt genug, sprechen Sie mit dem Kind darüber.

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