Was Sie nach einer Trennung oder Scheidung nie zu Ihren Kindern sagen sollten!

Eine Scheidung durchzustehen ist hart. Scheiden tut weh, heißt es in einem Volkslied. Geschieden werden meist auch. Verbitterung, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit  beherrschen oft die Gefühle. Hinzu kommen Wut und Verärgerung über den anderen Partner. Eine Zeit, in der Sie selbst häufig die Unterstützung Anderer benötigen, um den Alltag zu meistern. Dabei müssen Sie auch noch die besten Eltern bleiben, die Sie sein können. Was Ihnen auch gelingt, wenn Sie ein paar einfache Regeln beachten. Denn es gibt keinen Grund, weshalb Ihre Kinder ebenso leiden sollten wie Sie. An aller erster Stelle müssen Sie zwischen Dingen unterscheiden, die Sie Ihren Kindern sagen sollten und Dingen, die Sie sich denken dürfen. Was Sie nie zu Ihren Kindern sagen sollten, habe ich in 10 kurzen Abschnitten für Sie zusammengefasst.

1. Nichts wird sich ändern. Alles bleibt beim Alten
Seien Sie realistisch. Eine Scheidung ist ein Auseinandergehen und bringt zwei verschiedene Haushalte mit sich. Kindern wird die Bedeutung dieser Teilung oft schneller bewusst, als wir glauben. Versuchen Sie die Situation nicht zu beschwichtigen, in dem Sie behaupten, alles bleibe beim Alten. Statt dessen können Sie behutsam Veränderungen herbeiführen. Lassen Sie die Kinder wissen, dass es Veränderungen geben wird, und dass Sie die Situation aber vollständig unter Kontrolle haben. Sagen Sie den Kindern, dass Sie sich wegen der Veränderungen keine Sorgen machen müssen.

2. dein Vater ist ein … / deine Mutter ist eine …
So groß die Versuchung auch sein mag, beißen Sie sich besser auf die Zunge. Machen Sie den anderen Elternteil nie vor den Kindern schlecht und betiteln ihn erst recht nicht mit Schimpfwörtern. Selbst wenn Ihnen durch den Anderen hässliche Dinge widerfahren sind. Selbst wenn Sie betrogen wurden. Reiten Sie keine verbalen Attacken gegen den Anderen! Am Ende treffen Sie den oder die Ex damit sowieso nicht mehr. Sie verletzen nur Ihre Kinder und fühlen sich selbst schlecht dabei, weil es Sie an das Hässliche erinnert. Kinder beobachten sehr genau. Je älter Sie werden, um so mehr werden ihnen die Dinge wirklich bewusst. Wenn Sie von Ihrem Partner schlecht behandelt wurden, finden die Kinder das eines Tages von allein heraus. Viele Psychologen empfehlen, Kinder erst ab einem Alter von 16 Jahren mit den Gründen einer Scheidung ihrer Eltern zu konfrontieren.

3. deine Mutter / dein Vater ist an allem Schuld
Es ist sehr einfach die Schuld für die Scheidung dem anderen Ehepartner in die Schuhe zu schieben. Sie werden ohnehin Zeit brauchen, um die Gründe für das Scheitern der Beziehung zu verstehen. Das Ganze sollten Sie aber auf keinen Fall mit Ihren Kindern aufarbeiten. Die Entfremdung der Kinder vom anderen Elternteil vertieft seelische Verletzungen noch, welche mit der Trennung einhergehen. Lassen Sie statt dessen die Kinder wissen, dass sie von beiden Elternteilen geliebt werden.

4. deinetwegen lassen wir uns scheiden
Man will es nicht glauben, auch so etwas müssen sich Kinder gelegentlich anhören. Das ist das Schlimmste und Hässlichste was Sie Ihren Kindern sagen können. Damit fügen Sie den Kindern unabsehbare psychische Schäden zu. Kinder sind für eine Scheidung Ihrer Eltern niemals verantwortlich.

5. jetzt nicht, ich bin beschäftigt
Freuen sie sich, dass es Ihre Kinder gibt. Geben Sie ihnen das Gefühl, dass sie für Sie wichtig und nicht nur ein Anhängsel sind. Verbringen Sie bewusst Zeit nur mit Ihren Kindern, besonders wenn Sie Umgangstermine haben. Lassen Sie die Kinder nicht spüren, dass sie eine Last sind. Auch wenn das gelegentlich der Fall ist. Seien Sie für Ihre Kinder da. Kinder brauchen in Zeiten des Umbruchs ihrer bekannten Welt besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit, denn Sie müssen neuen Halt finden.

6. dein Vater zahlt keinen Unterhalt
Bestimmte Themen mit den Kindern zu besprechen, ist absolut unpassend. Beste Beispiele dafür sind der Kindesunterhalt und das Fremdgehen. Auch hier gilt, machen Sie den anderen Elternteil schlecht, fühlen sich die Kinder schlecht. Werden die Kinder älter, machen sie sich früh genug ihr eigenes Bild.

7. schreien Sie sich nicht an
Es ist eigentlich einfach. Wenn Sie mit dem Ex-Ehepartner im Beisein der Kinder sprechen, egal ob am Telefon oder direkt, respektieren Sie sich und seien Sie höflich zueinander. Abgesehen vom seelischen Schmerz, den Kinder beim Streit der Eltern empfinden, zeigen Sie ihren Kindern damit etwas sehr Wichtiges. Nämlich, wie man einen Konflikt ohne Herumschreien lösen kann. Das kann eine unschätzbar wertvolle Erfahrung für Kinder sein.

8. Was sagt deine Mutter / dein Vater über mich?
Niemals sollten Sie Ihre Kinder als Vermittler oder Informanten gegenüber dem oder der Ex missbrauchen. Sie erziehen Ihre Kinder sonst zur Unehrlichkeit. Denn sie müssen sich verstellen, weil sie keinen der beiden Eltern verletzten wollen. Wenn Sie vom Anderen etwas wissen wollen, fragen Sie ihn direkt.

9. Ich wollte die Scheidung nicht. Deine Mutter wollte das.
Diese Aussage ist ein Grenzfall. Manche Psychologen meinen, es sei in Ordnung zu zeigen, alles für die Beziehung getan zu haben. Ich rate dennoch von solchen Aussagen ab. Erklären Sie statt dessen, beide die Differenzen nicht anders lösen zu können, als sich zu trennen. Ich denke jedes Beschuldigen des anderen Elternteils schadet den Kindern. Sachliches Informieren ist in Ordnung.

10. die Regeln deines Vaters / deiner Mutter sind mir egal
Diese Sache ist ziemlich knifflig. Bei zwei Haushalten ist es einfach nicht möglich, identische Regelungen für jede Situation gegenüber den Kindern aufrecht zu erhalten. Auf jeden Fall sollten beide Eltern aber übereinstimmend eine Grundlinie festlegen. Wann es am Abend ins Bett geht, wann Hausaufgaben zu erledigen sind und dergleichen sollte in beiden Haushalten auch gleich geregelt sein. Um eigene Ziele zu verwirklichen, spielen Kinder ihre Eltern gegeneinander aus. Oft hört man: „… aber Mama hat gesagt …“ . Stellen Sie deshalb sicher, dass es Grundregeln gibt, die in beiden Haushalten identisch sind. Ich weiß, Sie müssen dann mit dem Anderen reden. Das ist schwer, nach all dem was vorgefallenen ist. Dennoch denken Sie weiter! Es geht um Ihre Kinder!

Vermittlungsgespräche können Sie auch über das für Ihren Wohnort zuständige Jugendamt vollkommen kostenfrei erhalten. Nutzen Sie die kostenlosen Beratungsangebote. Auch freie Träger wie Caritas, Diakonische Werke, die Arbeiterwohlfahrt oder spezielle Vereine können Ihre Ansprechpartner und Vermittler sein.

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