Üben die Eltern eines Kindes das Sorgerecht gemeinsam aus, müssen sie sich bei Entscheidungen, die für die Entwicklung ihres Kindes von erheblicher Bedeutung sind, immer einig sein. Solche wichtigen Entscheidungen können die Eltern nur gemeinsam und übereinstimmend treffen. Entscheidungen von erheblicher Bedeutung sind beispielsweise die religiöse Orientierung, der Eintritt in den Kindergarten, die Schulwahl, der Schulwechsel, der Wegzug des Kindes an einen entfernten Ort bzw. schwerwiegende gesundheitliche Entscheidungen. Diese Angelegenheiten haben bei gemeinsamer Ausübung des Sorgerechts immer beide Elternteile zu entscheiden.Bei Gefahr im Verzug ist jeder Elternteil allein berechtigt, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Er hat in diesem Fall jedoch den anderen Elternteil unverzüglich zu informieren.

Im Alltag spielt das gemeinsame Sorgerecht eigentlich keine besondere Rolle. In Angelegenheiten des täglichen Lebens kann jeder Elternteil selbst entscheiden. Derjenige, bei dem das Kind gewöhnlich lebt, muss sich nicht mit dem anderen Elternteil darüber abstimmen, wie das Kind Hausaufgaben macht, was es anzieht, wann und wie es seine Freizeit verbringt. Normale Arztbesuche müssen ebenfalls nicht abgestimmt werden. Wenn Sie also das gemeinsame Sorgerecht mit dem anderen Elternteil ausüben, treffen Sie die alltäglichen Entscheidungen selbst. Dazu gehört auch, wer das Kind aus Kindergarten oder Schule abholt.

Dagegen entscheidet der Elternteil, bei dem sich das Kind gewöhnlich aufhält, über alle Fragen des täglichen Lebens allein. Das betrifft meist solche Entscheidungen, die häufig vorkommen und nicht schwer abzuändern sind. Entscheidungen des täglichen Lebens betreffen z.B. die Organisation des täglichen Lebens, die Freizeitgestaltung des Kindes, die Auswahl der Kleidung, das Erledigen der Hausaufgaben, den Umgang mit Freunden des Kindes, der Haarschnitt, die Abholung aus der Kindereinrichtung und dergleichen.

Können sich die Eltern in Angelegenheiten der elterlichen Sorge, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, dauerhaft nicht einigen, so kann das Familiengericht auf Antrag einzelne Entscheidungen einem Elternteil allein übertragen oder die gemeinsame Sorge teilweise oder ganz aufheben. Das Familiengericht orientiert sich dabei am Wohl des Kindes.

Sind die Eltern des Kindes nicht miteinander verheiratet und vereinbaren später die gemeinsame elterliche Sorge durch Erklärung gegenüber dem Jugendamt, dann sind die Fristen zur Regelung der Namensführung zu beachten. Eltern, die die gemeinsame Sorge für ein Kind vor der Geburt erklärt haben und nicht verheiratet sind, bestimmen durch eine Erklärung gegenüber dem Standesbeamten den Namen des Kindes. In diesem Fall kann das Kind den Familiennamen der Mutter oder des Vaters annehmen. Die Frist dafür beträgt einen Monat nach der Geburt des Kindes. Wird dazu keine Erklärung abgegeben, erhält das Kind den Namen der Mutter.

Wird die gemeinsame Sorge der Eltern erst nach der Geburt des Kindes durch gemeinsame Erklärung gegenüber dem Jugendamt begründet, wenn das Kind bereits den Namen der Kindesmutter führt, so kann der Name innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Abgabe der gemeinsamen Sorgeerklärung neu bestimmt werden.