Was Sie alles erledigen sollten bevor Sie sich trennen.

Die wichtigsten Dinge, die Sie vor Ihrer Trennung erledigen sollten. 

Sich zu trennen hat weitreichende Folgen. Darauf sollten Sie sich wirklich gut vorbereiten. Gehen Sie rational vor, überlegen Sie, denken Sie nach. Auf gar keinen Fall sollten Sie impulsiv handeln. Bevor Sie dem Anderen mitteilen, dass Sie sich von Ihm oder Ihr trennen, empfehle ich Ihnen folgende Schritte zu unternehmen:

  1. Sichern Sie alle Unterlagen.
  2. Suchen Sie sich einen kompetenten Rechtsanwalt.
  3. Nehmen Sie eine Rechtsberatung in Anspruch bevor Sie die Trennung bekannt geben.
  4. Sie benötigen ein eigenes Konto.
  5. Lastschriften auf dem Konto prüfen.
  6. Klären Sie Ihre Kinder sachlich auf.
  7. Bereiten Sie für Sich eine vernünftige Umgangsregelung vor.
  8. Erstellen Sie eine Liste über Ihr eigenes Anfangs- und Endvermögen.
  9. Erstellen Sie eine Liste der  Haushaltsgegenstände.
  10. Prüfen Sie Ihre Versicherungen.  
  11. Überschlagen Sie Ihre Finanzen.
  12. Legen Sie den Beginn des Trennungsjahres fest.
  13. Zetteln Sie keinen Rosenkrieg an & waschen Sie keine schmutzige Wäsche.

1. Sichern Sie alle Unterlagen.

Nehmen Sie Ihre persönlichen Unterlagen und Dokumente an sich. Fertigen Sie von den Unterlagen und Dokumenten des Partners wenigstens Kopien an. Die nachfolgende Auflistung ist nur eine Gedankenstütze und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denken Sie an: die Eheurkunde, die Geburtsurkunden der Kinder, die letzten 12 Gehaltsbescheinigungen, den letzten erhaltenen Steuerbescheid, bei Selbständigen oder Freiberuflern die letzten 3 Jahresabschlüsse & Bilanzen, Rentenversicherungen, Lebensversicherungen, Kontoauszüge, Wertpapierauszüge, Kreditkartenabrechnungen, Sparbücher, Wertpapiere, Aktien, Aktienfonds, Unternehmens- oder Gesellschaftsbeteiligungen, Bausparverträge, Lebensversicherungen, Nachweise zu Sachwerten, sonstige Geldanlagen wie Kunstgegenstände, Oldtimer oder Münzsammlungen, Rentenmitteilungen, Zeugnisse, Grundbuchauszüge, Grundsteuerbescheide, Darlehnsverträge, Mietverträge etc.. Es ist wichtig, dass Sie einen guten Überblick über die Vermögensverhältnisse beider haben. So stellen Sie auch sicher, dass Nachweise über Vermögensgegenstände nicht einfach verschwinden. Informationen erst nach einer Trennung über Ihren Anwalt zu beschaffen, ist äußerst schwierig und zeitaufwendig. Jetzt ist es an der Zeit, Ordnung in die Unterlagen und Dokumente zu bringen. Da Sie in Zukunft getrennt leben werden, ist es überlebensnotwendig, sich von allen Unterlagen Kopien anzufertigen.

2. Suchen Sie sich einen Scheidungsanwalt.

Für eine Scheidung brauchen Sie mindestens einen Rechtsanwalt. Die Scheidung ohne Anwalt ist in Deutschland gesetzlich ausgeschlossen. Was für den ökonomisch schwächeren Partner in einer Beziehung übrigens auch sehr sinnvoll ist. Einen Anwalt zu finden, ist zunächst kein Problem. Woran erkennen Sie aber, dass der Anwalt für Sie der richtige ist. Nun, Sie machen erst einmal nichts falsch, wenn Sie einen Fachanwalt für Familienrecht aufsuchen. Hören Sie sich dazu im Bekanntenkreis um und nutzen Sie das Internet. Wichtig ist auch, dass Sie das Gefühl haben, mit diesem Anwalt zusammenarbeiten zu können. Wenn da bei Ihnen das so genannte Bauchgefühl von Anfang an nicht stimmt, suchen Sie sich einen anderen.

3. Nehmen Sie eine Rechtsberatung in Anspruch bevor Sie die Trennung bekannt geben.

Teilen Sie dem Anderen Ihre Trennungsabsicht erst nach einer fundierten Rechtsberatung mit! Vereinbaren Sie mit dem Rechtsanwalt einen Termin für eine Rechtsberatung, nur so können Sie erfahren, worauf Sie bei der Trennungszeit achten müssen. Eine sogenannte Erstberatung beim Rechtsanwalt kostet 250,00 € einschließlich Umsatzsteuer und dauert ca. ein bis zwei Stunden.

4. Sie benötigen ein eigenes Konto.

Sollten Sie über ein gemeinsames Konto verfügen, eröffnen Sie schnellstens ein eigenes. Leiten Sie die eigenen Zahlungen auf dieses neue Konto um und überweisen die Hälfte des Geldes vom gemeinsamen Konto auf das neue eigene Konto. Falls Ihr Partner eine Kontovollmacht besitzt, widerrufen Sie diese Kontovollmacht, damit das Konto nicht leergeräumt werden kann. Lassen Sie EC - Partnerkarten für Ihr Konto sperren, so dass Ihr Ehegatte oder Lebenspartner auf das Konto keinen Zugriff mehr hat.

5. Lastschriften auf dem Konto prüfen.

Überprüfen Sie die Lastschriften: Abbuchungen können oft innerhalb von 6 Wochen storniert werden. Auch die Abzahlung von Darlehensraten für etwas, was nun allein der andere Partner nutzt, sollten gestoppt werden.

6. Klären Sie Ihre Kinder sachlich auf.

Meiner Meinung nach ist es so ziemlich das Wichtigste, die Kinder über die bevorstehende Trennung zu informieren. Das dürfte zu gleich auch der schwierigste Teil sein. Im Idealfall teilen Sie diese Nachricht den Kindern gemeinsam mit. Dabei sollten Sie sich vorher darüber im Klaren geworden sein, bei wem die Kinder leben und wie die Besuchszeiten für den anderen Elternteil, bei dem die Kinder nicht leben, aussehen.

7. Bereiten Sie für Sich eine vernünftige Umgangsregelung vor.

Wie Sie den Umgang mit den Kindern regeln, hängt natürlich von Ihren persönlichen Lebenssituationen ab. Gemeinsam mit dem anderen Partner können Sie im Grunde dazu alles vereinbaren. Häufig wird ein Umgang aller 14 Tage am Wochenende mit dem anderen Elternteil vereinbart. Manchmal wird noch ein Tag in der Woche vereinbart, an dem der andere Elternteil die Kinder sieht. In der Regel teilen sich die Eltern die Ferien hälftig auf. Wichtig ist, dass Sie sich vor Ihrer Trennung dazu eine konkrete Meinung bilden.

8. Erstellen Sie eine Liste über Ihr eigenes Anfangs- und Endvermögen.

Das Anfangsvermögen ist das, was Sie am Tag Ihrer Eheschließung hatten. Wenn Sie vor dem 03.10.1990 geheiratet haben und an diesem Tag Ihren Wohnsitz auch in der früheren DDR hatten, dann ist der 03.10.1990 maßgeblicher Stichtag für Ihr Anfangsvermögen. Für die Ermittlung des Endvermögens ist zunächst der Tag maßgeblich, an dem Sie sich trennen. Diese Übersicht benötigen Sie, um zu erkennen, ob Sie während Ihrer Ehe einen Vermögenszuwachs erzielt haben. Was wiederum wichtig ist, um herauszufinden, ob in Ihrem Fall ein so genannter Zugewinnausgleich durchzuführen ist. Denn wenn ein Ehegatte während der Ehe mehr Vermögen als der andere erworben hat, kann das zu einem Ausgleichsanspruchs des schlechter gestellten Ehegatten führen.

9. Erstellen Sie eine Liste der  Haushaltsgegenstände.

Dabei ist es oft nützlich, wenn man die Wohnungseinrichtung überblickartig fotografiert. Ich spreche hier nicht davon, dass Sie jeden Löffel zählen sollen oder eine exakte Aufteilung der Geschirrtücher notwendig ist. Gelegentlich kommt es aber vor, dass über die Aufteilung des Hausrats Meinungsverschiedenheiten bestehen. Wenn Sie dann erst einige Zeit nach der Trennung damit beginnen, den Hausrat aufzulisten, gelingt Ihnen das erfahrungsgemäß nicht mehr vollständig.

10. Prüfen Sie Ihre Versicherungen.

In Zukunft wird sich jeder von Ihnen allein versichern. Klären Sie zunächst für sich, welche Versicherungen Sie nach der Trennung weiterführen wollen und welche Sie nicht mehr benötigen. Stellen Sie die Versicherungsunterlagen zusammen und schreiben Sie sich alle Versicherungen auf. Besonders wichtig sind hier Versicherungen, in denen Sie den anderen Partner als Bezugsberechtigten eingesetzt haben. Diese Einsetzung ist zu prüfen.

11. Überschlagen Sie Ihre Finanzen.

Bevor Sie sich trennen, sollten Sie sich unbedingt einen Überblick über Ihre zukünftigen Finanzen verschaffen. Denn nur dann werden Sie auch Ihr weiteres Leben organisieren können. Erfahrungsgemäß unterscheiden sich die zukünftigen Kosten wegen der doppelten Haushaltsführung und der sich ändernden Steuerklasse erheblich von Ihren bisherigen Verhältnissen. Ein wichtiger Punkt hier ist der Unterhalt. Bei einer Trennung können Ansprüche auf Kindesunterhalt und Trennungsunterhalt entstehen. Hierfür ist es wichtig, eine genaue Vorstellung über das Einkommen des anderen Partners, der Unterhalt zahlen muss, zu haben. Wenn der andere Elternteil, bei dem die Kinder nicht leben, beispielsweise keinen Unterhalt zahlen kann, haben Sie möglicherweise Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, welcher vom Jugendamt gewährt wird. Der Unterhaltsvorschuss wird allerdings nur für die Dauer von 6 Jahren höchstens bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres des jeweiligen Kindes geleistet. Ob Sie als Ehegatte Unterhalt bekommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist möglich, dass Sie Ihren bisher gewohnten Lebensstandard reduzieren müssen, wenn Sie sich vom anderen trennen wollen. Je früher Ihnen das klar wird, desto eher können Sie auf die notwendigen Veränderungen reagieren.

12. Legen Sie den Beginn des Trennungsjahres fest.

An eine Trennung knüpfen sich viele rechtliche Konsequenzen. So ändert sich zum Beispiel in dem auf die Trennung folgenden Jahr, die Steuerklasse beider Ehegatten. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie im Jahr der Trennung mindestens 5 Tage noch zusammen gelebt haben. Führen Sie den Tag der Trennung also bewusst herbei. Wenn Sie sich am 2. Januar trennen, ist das in steuerrechtlicher Hinsicht nicht sehr sinnvoll. Zu Nachweiszwecken ist eine schriftliche Trennungsmitteilung an den anderen Partner und die Veränderung der tatsächlichen Lebensumstände ab diesem Tag sinnvoll. Sie leben von dem anderen getrennt, wenn Sie beispielsweise nicht mehr in derselben Wohnung wohnen. Sie können die Trennung aber auch innerhalb der Wohnung vollziehen. Dann dürfen Sie nicht mehr im selben Bett schlafen, für den anderen kochen oder einkaufen gehen. Sie dürfen auch nicht mehr für den anderen beispielsweise die Wäsche waschen oder dessen Zimmer säubern.

13. Zetteln Sie keinen Rosenkrieg an & waschen Sie keine schmutzige Wäsche.

Gut, Sie haben Recht, das ist kein juristischer Rat. Es soll eher ein Ratschlag sein. Vor allem dann, wenn Sie Kinder haben. In der überwiegenden Zahl aller Fälle hängen die Kinder an dem anderen Partner, mit dem Sie nicht mehr zusammenleben können, genau so sehr, wie an Ihnen. Machen Sie sich das bitte bewusst und erwarten Sie von Ihren Kindern nicht, dass sie sich auf Ihre Seite schlagen. Wenn Ihre Kinder groß sind, werden sie es Ihnen einmal danken. Tragen Sie Ihre Argumente sachlich vor. Wenn Sie sich mit dem anderen Partner überhaupt nicht mehr unterhalten können und ständig nur noch in Streit geraten, lassen Sie andere für sich reden. Im Zweifel erledigt das Ihr Rechtsanwalt für Sie.

nächster Schritt

Teilen Sie Ihr Wissen.