Wie Sie einen guten Scheidungsanwalt finden.

11 Tipps für die Anwaltssuche.

Ihre Ehe funktioniert nicht mehr. Sie denken über eine Scheidung nach. Sie brauchen einen Scheidungsanwalt. Sie wollen jedoch den richtigen Anwalt für Ihr konkrete Scheidung finden. Sie fragen sich, wie und wonach Sie suchen sollen. Dann gibt es auch andere Dinge, um die Sie sich eigentlich kümmern müssen. Ihren Job, die Kinder, einen Umzug, es gibt viele Gründe, die Suche nach einem Anwalt für Ihre Scheidung aufzuschieben. Sie haben zudem Zweifel, ob Ihnen ein Rechtsanwalt überhaupt nützt. Denn Sie wollen keinen Streit. Es gibt in Sachsen rund 4.700 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Die Zahl schwankt. Darunter die guten Scheidungsanwälte von den übrigen Anwälten abzugrenzen und dann noch den zu Ihnen passenden zu finden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Hier gibt es 11 Tipps dazu.

  1. Ihr Anwalt sollte Scheidungsanwalt sein.
  2. Ihr Scheidungsanwalt sollte nichts Falsches versprechen.
  3. Ihr Scheidungsanwalt sollte Ihr persönlicher Ansprechpartner sein.
  4. Ihr Scheidungsanwalt sollte Sie über die Kosten der Scheidung aufklären.
  5. Wie Sie einen Scheidungsanwalt finden.
  6. Eine Frau als Scheidungsanwältin oder einen Mann als Scheidungsanwalt?
  7. Sie sollten Ihren Scheidungsanwalt verstehen.
  8. Muss mein Scheidungsanwalt Fachanwalt für Familienrecht sein? 
  9. Bereiten Sie sich auf das Erstgespräch mit Ihrem Scheidungsanwalt vor.
  10. Ihr Scheidungsanwalt sollte Ihre Kinder an erste Stelle setzen.
  11. Verlassen Sie sich bei der Wahl Ihres Scheidungsanwalts auf Ihr Bauchgefühl.

1. Ihr Anwalt sollte Scheidungsanwalt sein.

Würden Sie sich von einem Arzt für Allgemeinmedizin am Herz operieren lassen? Sicherlich nicht. Aus dem gleichen Grund sollten Sie sich bei Ihrer Scheidung auch nicht von einem Anwalt vertreten lassen, der verschiedene Rechtsgebiete bearbeitet. Rechtlich wäre das zwar möglich. Tatsächlich ist es jedoch nicht sinnvoll. Das anzuwendende Recht und die konkret zu lösenden Folgen einer Scheidung sind sehr komplex. Im Scheidungsrecht auf dem aktuellen Stand von Gesetzen und Rechtsprechung zu bleiben, ist ein Vollzeitjob. Deshalb ist die zweite Instanz, also das Rechtsmittelgericht in Familiensachen, auch nicht das Landgericht in Dresden, Leipzig oder Chemnitz. Über Beschwerden gegen Entscheidungen der Familiengerichte wird gleich am höchsten sächsischen Zivilgericht, nämlich dem Oberlandesgericht in Dresden verhandelt. Eine Scheidung wird ganz schnell kompliziert, wenn Vermögen zu teilen oder einer der Eheleute selbständig tätig ist. Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Ein Scheidungsanwalt hat in vielen hundert Scheidungen die außergerichtlichen und gerichtlichen Verhandlungen geführt. Er kennt die besonderen Zusammenhänge und weiß konkret, worauf es bei der Vorbereitung von Gesprächen und Verhandlungen ankommt. Er weiß auch wie andere Scheidungsanwälte bestimmte Probleme abarbeiten, weil er häufiger mit denen zu tun hat.

2. Ihr Scheidungsanwalt sollte nichts Falsches versprechen.

Kein Anwalt kann Ihnen das Ergebnis in Ihrem Fall garantieren. Vorsicht ist geboten, wenn ein Anwalt Aussagen trifft wie, „Ich garantiere Ihnen, Ihr Ehemann wird monatlich soundsoviel Euro Ehegattenunterhalt zahlen.“ oder „Ich verspreche Ihnen, Sie werden die Kinder zukünftig im Wechselmodell mit der Ehefrau betreuen.“ oder „Wir werden Ihren Ehemann für alles, was er Ihnen angetan hat, zur Verantwortung ziehen. Danach kann er unter der Brücke schlafen.“ Kein Anwalt kann Ihnen das endgültige Ergebnis in ihrer Angelegenheit im Voraus garantieren. Es gibt grundsätzlich nur zwei Wege, die Folgen einer Scheidung zu regeln. Entweder werden alle Scheidungsfolgen

  • in einer Scheidungsfolgenvereinbarung außergerichtlich geregelt
  • oder das Familiengericht entscheidet darüber.

Im ersten Fall müssen beide Eheleute der Vereinbarung zustimmen. Wie könnte Ihnen der Anwalt je garantieren, zu was Ihr Ehepartner seine Zustimmung erteilt? Im zweiten Fall entscheidet das Gericht über die einzelnen Scheidungsfolgen. Aber wie könnte Ihnen der Anwalt hier garantieren, wie der Richter oder die Richterin die Sachen im einzelnen entscheidet? Ein seriöser Scheidungsanwalt präsentiert Ihnen für die Regelung ihrer Scheidungsfolgen einen durchdachten, vernünftigen Ansatz, der auf der Grundlage des Gesetzes, der Fakten und der Beweismittel in ihrem Fall beruht. Hohles Gerede ist nicht hilfreich und bringt Sie nicht zum Ziel. Auch wenn sich solche falschen Versprechen gut anhören und Sie sich gut dabei fühlen würden. Das hält nicht lange an. Sie brauchen einen Anwalt an Ihrer Seite, der weiß wie Lösungen, gleich ob außergerichtlich oder vor Gericht, erarbeitet werden.

3. Ihr Scheidungsanwalt sollte Ihr persönlicher Ansprechpartner sein.

Angenommen Sie beauftragen den Anwalt nach der Erstberatung. Sie haben ein gutes Gefühl dabei. Sie vertrauen dessen Fähigkeiten. Die Bearbeitung Ihres Falls läuft. Dann später, wenn Sie Fragen zu Einzelheiten der jeweiligen Schreiben haben, rufen Sie im Anwaltsbüro an. Sie werden aber nicht zum Anwalt durchgestellt. Sie erreichen ihn telefonisch nicht oder nur selten. Das frustriert Sie. So hatten Sie sich das nicht vorgestellt. Fragen Sie den Anwalt bereits im ersten Beratungsgespräch, wie sie miteinander kommunizieren werden. Ist der Anwalt bereit, Ihnen seine Mobilfunknummer zu geben, sind Sie sicher richtig.

4. Ihr Scheidungsanwalt sollte Sie über die Kosten der Scheidung aufklären.

Was die Arbeit des Anwalts kostet, sollten Sie gleich zu Beginn erfragen. Arbeitet der Anwalt auf der Grundlage einer Pauschalvergütung, rechnet er nach Stunden oder nach dem Verfahrenswert ab? Bei einer Abrechnung nach Stunden sollten Sie immer erfragen, was getan werden muss und wozu es nützlich ist. Bei einer Abrechnung nach dem Verfahrenswert werden Sie wohl erst nach dem Abschluss Ihres Falles genau erfahren, was Sie der Anwalt gekostet hat. Bei einer Pauschalvergütung müssen Sie sich nicht um den Arbeitsaufwand sorgen und wissen von Anfang an, wie viel Sie zahlen. Eine Pauschalvergütung ist für Sie oft günstiger als eine Honorarvereinbarung mit der nach Stunden abgerechnet wird. Die eindeutige Absprache über die Höhe der Kosten ihrer Scheidung ist ein wesentliches Kriterium für Ihre Entscheidung bei der Anwaltssuche.

5. Wie Sie einen guten Scheidungsanwalt finden.

Empfehlungen von Freunden und Bekannten sind dabei immer hilfreich. Wenn einer ihrer Freunde jedoch eine schlechte Erfahrung mit seiner Scheidung gemacht hat, wird er - unabhängig vom Ergebnis seines Falls - auch seinen Anwalt nicht mögen oder dessen Fähigkeiten anzweifeln. Das kommt dann häufiger vor, wenn die betreffende Person vom anderen Ehegatten für einen neuen Partner verlassen wurde. Dann ist die gesamte Erfahrung der Scheidung für sie oder ihn so negativ, dass dieser Rechtsanwalt - unabhängig vom Ergebnis - nicht weiter empfohlen wird. Es ist für Sie deshalb besser, sich aus verschiedenen Quellen zu informieren. Hören Sie sich weiter um, auch wenn Ihnen ein Anwalt als „der beste Scheidungsanwalt“ oder eine Anwältin als „die beste Scheidungsanwältin“ empfohlen wird. Informieren Sie sich weiter. Prüfen Sie genau,ob in solchen Fällen „beste“ nicht „beschäftigtste“ meint. Wenn Sie den Anwalt sehen, mit ihm reden, verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Haben Sie das Gefühl, er oder sie ist nicht der Richtige, suchen Sie weiter.

6. Eine Frau als Scheidungsanwältin oder einen Mann als Scheidungsanwalt?

Es gibt Leute, die fühlen sich mit einer Frau als Anwältin an ihrer Seite wohler als mit einem Mann und umgekehrt. Das hängt ganz von der jeweiligen persönlichen Einstellung ab. Wenn Sie sich mit einer Anwältin besser fühlen als mit einem Anwalt und umgekehrt, dann ist das so. Folgen Sie ihrem jeweiligen Instinkt. Wichtig ist, dass sich ihre Entscheidung für Sie als richtig anfühlt. Frau oder Mann ist nur ein gefühltes Auswahlkriterium. Glauben Sie nicht, dass eine Person wegen ihres Geschlechts überlegener sein kann als eine vom jeweils anderen. Das ist weder beim Fußball, noch beim Boxen und erst recht nicht im Scheidungsverfahren der Fall. Denn es kommt immer nur - und einzig und allein - auf die Spezialisierung, die Erfahrung also den „Trainingsstand“ der Anwältin oder des Anwalts an.

7. Sie sollten Ihren Scheidungsanwalt verstehen.

Eine Scheidung ist ein sehr schwieriger Prozess. Da wollen Sie keinen Anwalt an ihrer Seite, bei dem Sie nicht verstehen, was er Ihnen erzählt. Bei einem Anwalt, der in Fachchinesisch um die Probleme herumredet, Ihnen nicht in einfachem Deutsch erklären kann, worum es geht, ist Vorsicht geboten. Viele Eheleute verstehen die sie betreffenden Fachbegriffe nicht, was ganz normal ist. Zum Beispiel bedeutet der Versorgungsausgleich die gleichmäßige Verteilung der in der Ehe angesparten Renten. Zugewinnausgleich ist der hälftige Ausgleich von in der Ehe erworbenem Vermögen unter Berücksichtigung der Abzahlung von Schulden nach Heirat. Die meisten Leute verstehen jeweils letzteres, den Fachbegriff jedoch nicht. Also fragen Sie immer nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Fragen Sie so lange bis Sie es verstanden haben. Beauftragen Sie keinen Anwalt, bei dem Sie das Gefühl haben, Ihre Fragen könnten stören.

8. Muss mein Scheidungsanwalt auch Fachanwalt sein?

Ein Fachanwalt ist auf jeden Fall ein weiterer schöner Titel, den der Anwalt seinem Namen, seinem Briefkopf und seinem Internetauftritt hinzufügen kann. Mache haben sogar mehrere davon. Es gibt aber auch richtig gute Scheidungsanwältinnen und Scheidungsanwälte, die keine Fachanwälte sind. Um einen Fachanwaltstitel zu bekommen, muss der Anwalt einen Kurs besuchen, einige schriftliche Prüfungen bestehen und eine gewisse Anzahl bearbeiteter Fälle nachweisen. Keine Frage, das ist mit Aufwand verbunden, aber definitiv möglich, ohne auf dem jeweiligen Rechtsgebiet ausschließlich tätig und wirklich spezialisiert zu sein.

9. Bereiten Sie sich auf das Erstgespräch mit Ihrem Scheidungsanwalt vor.

Gehen Sie vorbereitet in das erste Gespräch mit dem Anwalt. Stellen Sie Fragen. Schließlich bezahlen Sie dafür. Hier einige Beispiele: Wie lange praktizieren Sie im Scheidungsrecht? Bearbeiten Sie auch andere Rechtsgebiete? Wie hoch ist der Prozentsatz an Familienrecht? Wie viele Scheidungen haben Sie vertreten? Wie rechnen Sie Ihre Arbeit ab?

10. Ihr Scheidungsanwalt sollte Ihre Kinder an erste Stelle setzen.

Wenn in Ihrem Fall auch Kinder betroffen sind, sollte deren Wohlergehen im Vordergrund aller Überlegungen stehen. Dann suchen Sie einen Anwalt, der mit Feingefühl deren Bedürfnisse berücksichtigt. Die Scheidung vom anderen Ehepartner haben Sie nach einiger Zeit überstanden. Eltern bleiben sie beide für den Rest Ihres Lebens. Da gefährden Sie nicht die Gesundheit und das Wohlergehen Ihrer Kinder für einen scheinbaren Vorteil gegenüber dem anderen Elternteil in der Scheidung und sicher suchen Sie auch keinen Anwalt, der Ihnen so einen Rat geben würde. Denken Sie immer daran, Ihre Kinder sind nicht für die Scheidung verantwortlich und müssen vor deren Auswirkungen geschützt werden. Eine Scheidung verletzt Ihre Gefühle und ist schmerzlich. Versuchen Sie dennoch mit Blick auf ihre Kinder eine höhere Perspektive einzunehmen, die Verletzungen mit Abstand zu betrachten und einen Anwalt zu finden, der Ihnen dabei behilflich ist.

11. Verlassen Sie sich bei der Wahl Ihres Scheidungsanwalts auf Ihr Bauchgefühl.

Wenn Sie mit dem Anwalt in der Erstberatung sitzen und über Ihre Scheidung sprechen, verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Haben Sie kein gutes Gefühl dabei, suchen Sie einen anderen. Sie müssen auf keinen Fall einen Anwalt beauftragen, weil Ihnen alle Freunde dazu raten. Das ist ganz allein Ihr Leben, Ihre Scheidung und Ihre Entscheidung. Suchen Sie, lesen Sie, hören Sie sich um und treffen dann erst eine Entscheidung auf Grund von konkreten Informationen, nicht auf Grund von Hörensagen. Das macht Sie selbstbewusster und fühlt sich besser an. Alles Gute und viel Erfolg.

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