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Das Haus nach Scheidung.

Eine zusammenfassende Übersicht.

Klären Sie das Haus nicht erst nach Ihrer Scheidung.

Im Scheidungsverfahren sind alle Folgen für die Zeit nach der Scheidung zu klären, sagt das Gesetz. Das Haus hat auf diese Scheidungsfolgen erheblichen Einfluss. Die Wichtigsten sind dabei Unterhalt und Zugewinnausgleich. Wenn Sie sich damit erst nach der Scheidung beschäftigen, kann es zu spät sein. Erfahren Sie hier warum.

Inhaltsübersicht

  1. Die 10 Besonderheiten der Scheidung mit Haus im Alleineigentum eines Ehegatten.
  2. Die 12 Besonderheiten der Scheidung mit gemeinsamem Haus der Ehegatten.
  3. Die Einzelheiten zum Haus im Alleineigentum eine Ehepartners. 
  4. Die Einzelheiten zum gemeinsamen Haus bei Scheidung. 
  5. Was mit dem Hauskredit nach Scheidung wird.
  6. Die Nutzungsentschädigung für das Haus vor und nach Scheidung.
  7. Die Besonderheit einer Scheidung mit Haus und Kindern.
  8. Diese 11 Fakten sollten Sie aufklären, bevor Sie eine Entscheidung zum Haus treffen.

Eine Scheidung mit Haus weist einige Besonderheiten auf, die Sie kennen sollten. Dabei kommt es darauf an, ob es sich um ein gemeinsames Haus oder eines im Alleineigentum eines Ehegatten handelt.

1. Die 10 Besonderheiten der Scheidung mit Haus im Alleineigentum eines Ehegatten.

  • Ist im Grundbuch nur eine Ehegatte als Eigentümer eingetragen, gehört ihm das Haus auch bei Scheidung allein.

  • Der Alleineigentümer kann es bei Scheidung behalten und bleibt in der Regel im Haus.

  • Es ist möglich, dass der Nichteigentümer mit den Kindern das Haus zur Nutzung zugewiesen bekommt, auch für die Zeit nach Scheidung.

  • Der Alleineigentümer hat den Hauskredit allein zurückzuzahlen, auch wenn die Eheleute gemeinsam als Schuldner im Kreditvertrag stehen.

  • Das Hauseigentum eines Ehegatten führt bei Scheidung zu Zugewinnausgleich, wenn es in der Ehe gekauft, gebaut oder ausgebaut wurde. (Zugewinnausgleich ist eine Ausgleichszahlung für den Vermögenszuwachs in der Ehe.)

  • Das Haus im Alleineigentum eines Ehegatten kann zu Zugewinnausgleich führen, wenn es zwar vor Heirat gekauft, aber danach ausgebaut oder modernisiert wurde.

  • Ein geerbtes Haus fällt bei Scheidung grundsätzlich nicht in den Zugewinnausgleich. Hat ein Ehepartner das Haus geerbt und es später ausgebaut oder modernisiert, fällt nur die Wertsteigerung in den Zugewinnausgleich. Ein in der Ehe erhaltenes Erbe ist grundsätzlich nicht auszugleichen.

  • Der Alleineigentümer kann sein Haus vor Scheidung nur mit Zustimmung des anderen Ehegatten verkaufen.

  • Wenn der Zugewinnausgleich noch nicht geklärt ist, benötigt der Alleineigentümer auch für den Hausverkauf nach Scheidung die Zustimmung des geschiedenen Ehepartners.

  • Das gilt längstens für 3 Jahre nach Eintritt der Rechtskraft der Scheidung.

  • Ein Ehevertrag bei Heirat kann helfen, den Streit über das Haus bei Scheidung zu vermeiden.

2. Die 12 Besonderheiten der Scheidung mit gemeinsamem Haus der Ehegatten.

  • Sind im Grundbuch beide Ehepartner eingetragen, gehört ihnen das Haus gemeinsam.

  • Das Scheidungsrecht verlangt keine Einigung zum Haus. Sie werden auch geschieden, wenn Sie das Haus weiter gemeinsam behalten.

  • Das Scheidungsrecht kennt keine Aufteilung des Hauses bei Scheidung. Gibt es keine Einigung, bleibt nur eine Teilungsversteigerung.

  • Mit dem Haus passiert vor, bei und nach Scheidung nichts von allein.

  • Es ist nicht ratsam, das Haus nach Scheidung gemeinsam zu behalten.

  • Wer im Haus wohnt hat grundsätzlich einen Wohnvorteil und damit ein höheres Einkommen. Das kann sich auf den Kindes- und Ehegattenunterhalt auswirken.

  • Wer nicht im Haus wohnt und weder Unterhalt schuldet noch bekommt, kann für seinen Miteigentumsanteil eine Nutzungsentschädigung verlangen.

  • Ein Ehepartner kann sich das Haus vor oder bei Scheidung überschreiben lassen und den anderen auszahlen. Das stellt in der Regel Zugewinn dar, der sich auf den Zugewinnausgleich auswirken kann.

  • Die Auszahlung für eine Überschreibung des Hauses kann Einkommensteuer auslösen.

  • Es ist in der Regel sinnvoll, den Wert des Hauses schätzen zu lassen. Ein richtiges Wertgutachten ist noch besser. 

  • Der Hauskredit für ein gemeinsames Haus ist grundsätzlich von beiden Ehepartnern jeweils hälftig zurückzuzahlen. 

  • Eine Scheidung ohne Einigung über das Haus, den Hauskredit, den Unterhalt und den Zugewinnausgleich ist nicht sinnvoll.

3. Die Einzelheiten zum Haus im Alleineigentum eines Ehepartners.

Es macht einen Unterschied, wer Eigentümer des Hauses ist.

3.1 Wer im Grundbuch steht ist Eigentümer.

Manchmal übertragen sich Eheleute in der Ehe untereinander Hauseigentum. Manchmal finanzieren beide den Hauskauf, tatsächlich wird aber nur einer im Grundbuch als Eigentümer eingetragen. Gelegentlich erfolgt der Hausbau gemeinsam auf einem Grundstück eines Partners, und es wird erst später geheiratet. Das führt bei Scheidung dann erst mal zu der Frage, wem das Haus eigentlich gehört, wer Eigentümer des Hauses ist. Das ergibt sich allein aus dem Grundbuch zum Grundstück und zwar aus der Abteilung Eigentum. Ist da nur ein Name eingetragen, ist dieser Ehepartner alleiniger Eigentümer.

3.2 Wer bleibt bis zur Scheidung im Haus?

Sofern Ehegatten voneinander getrennt leben oder einer von ihnen getrennt leben will, kann er unabhängig von einem Scheidungsverfahren verlangen, dass ihm der andere die Ehewohnung oder einen Teil davon für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Nutzung überlässt. Geregelt ist das in § 1361b BGB. Die Vorschrift ist auch die Rechtsgrundlage dafür, dem anderen Ehegatten Überlassungs- und Verhaltenspflichten aufzuerlegen. Die Vorschrift bestimmt weiter, dass 6 Monate nach freiwilligen Auszug eines Ehegatten die Überlassung des Hauses an den anderen unwiderleglich vermutet wird und inwieweit eine Nutzungsentschädigung verlangt werden kann.

3.3 Der Zugewinnausgleich bei Scheidung und das Haus im Alleineigentum.

Ehegatten ohne Ehevertrag leben in der Zugewinngemeinschaft. Bei Beendigung der Ehe findet ein Ausgleich des Zugewinns statt, der nur zu einer Geldforderung führt. Es wird kein Hauseigentum übertragen. Es wird das Anfangsvermögen bei Heirat plus geerbter Vermögenswerte mit dem Endvermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages verglichen. Hat sich das Vermögen vermehrt, liegt ein Zugewinn vor. Die Differenz ist jeweils der Zugewinn eines jeden Ehegatten. Der unterschiedliche Zugewinn der Ehegatten ist sodann in Geld auszugleichen. Im Rahmen dieser Feststellung des Anfangs- und Endvermögens sind vorhandene Immobilien zu den beiden Stichtagen (Heirat und Scheidungsantrag) zu bewerten.

Beispiel 1:

Der Ehemann wurde nach der Heirat im Grundbuch der Immobilie als alleiniger Eigentümer eingetragen. Der Scheidungsantrag der Frau wird ihm zugestellt. Die Immobilie ist da abgezahlt und 250.000,00 € wert. Die Eheleute haben kein sonstiges Vermögen erworben. Dann hat die Frau gegen den Mann Anspruch auf Zahlung von 125.000 € Zugewinnausgleich.

Beispiel 2:

Die Ehefrau wurde nach der Heirat im Grundbuch der Immobilie als alleinige Eigentümerin eingetragen. Der Scheidungsantrag des Mannes wird ihr zugestellt. Die Immobilie ist da abgezahlt und 250.000,00 € wert. Die Eheleute haben kein sonstiges Vermögen erworben. Die Ehefrau erbte in der Ehe 50.000,00 €. Der Zugewinn der Frau beträgt somit 200.000,00 €, der des Mannes 0,00 €. Dann hat der Mann gegen die Frau Anspruch auf Zahlung von 100.000 € Zugewinnausgleich.

3.4 Der Vermögensausgleich bei Scheidung nach DDR-Recht neben dem Zugewinnausgleich für Ehen, die vor dem 03.10.1990 geschlossen wurden.

Ehegatten lebten in der DDR in einer sogenannten Errungenschaftsgemeinschaft. Grundsätzlich wurden sie gemeinschaftliche Eigentümer aller während der Ehe erworbenen Sachen. Ein von einem Ehegatten vor der Ehe gekauftes, geerbtes oder geschenktes Grundstück blieb aber in seinem Alleineigentum. Wurde auf einem solchen Grundstück dann von den Eheleuten ein Haus gebaut, ausgebaut oder modernisiert blieb der im Grundbuch eingetragene Ehegatte dennoch alleiniger Eigentümer des Hauses. Für das Anfangsvermögen ist bei solchen Ehen jedoch auf den 03.10.1990 und nicht auf den Tag der Heirat abzustellen. Denn das BGB trat auf dem Gebiet der früheren DDR erst am 03.10.1990 in Kraft. Das wiederum würde insoweit einen Vermögensausgleich verhindern. Deshalb sind die Vorschriften des Familiengesetzbuchs der DDR (§§ 39, 40 FGB) über den Vermögensausgleich zwischen Eheleuten für Ehen aus der DDR auch heute noch anzuwenden, wenn ein Ehegatte bereits in der DDR alleiniger Eigentümer der Immobilie war.

3.5 Die Wirkung eines Ehevertrags bei Scheidung.

Ein Ehevertrag ist ein Vertrag mit dem Eheleute bereits bei Heirat ihre Vermögensangelegenheiten für die Dauer der Ehe und darüber hinaus regeln. Damit klärt man üblicherweise wem in der Ehe was gehört und wer von wem bei Scheidung etwas verlangen kann. Man kann Bewertungsregeln festlegen und einzelne Vermögensgegenstände wie Immobilien aus dem Zugewinnausgleich herausnehmen. Ein Ehevertrag hilft Streit zu vermeiden. Der Abschluss ist im Zusammenhang mit einer Immobilie immer eine Überlegung wert.

4. Die Einzelheiten zum gemeinsamen Haus nach Scheidung.

Wem gehört das gemeinsame Haus nach Scheidung? Wer bekommt es? Wer bleibt darin wohnen? Was passiert damit? Gibt es eine Hausaufteilung durch das Familiengericht? All diese Fragen zielen im Grunde auf ein Problem ab. Mit dem Scheidungsverfahren wird die Miteigentümergemeinschaft nicht beendet. Sie können sich zwar als Ehepaar scheiden lassen, Sie werden dabei aber nicht gleichzeitig auch als Miteigentümer ihres Hauses „geschieden“. Das Scheidungsrecht kennt keine solche Verbindung. Bleiben Sie als geschiedene Eheleute gemeinsam Eigentümer, müssen Sie die Immobilie auch gemeinsam weiter erhalten und finanzieren. Das ist nicht sinnvoll und geht nur selten gut. Sie müssen also aktiv werden und nach einer Lösung suchen. Sie haben bezüglich der Hausteilung grundsätzlich folgende Möglichkeiten:

  • Sie können es übernehmen und den anderen auszahlen oder umgekehrt,
  • Sie können es gemeinsam verkaufen,
  • Sie können es auf ein gemeinsames Kind übertragen,
  • Sie könnten es in Eigentumswohnungen aufteilen und diese untereinander verteilen (sehr seltener Fall),
  • können Sie sich nicht einigen bleibt noch die Teilungsversteigerung.

4.1 Das Haus bei Scheidung auf einen Ehepartner überschreiben und den anderen auszahlen.

Oft sind sich die Ehegatten bereits vor der Scheidung einig, das Haus auf einen von ihnen zu überschreiben. Die Hausübertragung ist an sich rechtlich nicht schwierig. Übergeber und Übernehmer müssen sich einig sein, dass das Miteigentum an der Immobilie übergeht. Diese Erklärung müssen sie bei gleichzeitiger Anwesenheit vor einem Notar beurkunden lassen. Der Übernehmer muss den vereinbarten Preis an den Übergeber auszahlen. Der Notar beantragt nachfolgend die Eigentumsänderung im Grundbuch des für die Immobilie zuständigen Grundbuchamtes eintragen zu lassen. Mit Eintragung des Übernehmenden im Grundbuch ist das Haus auf ihn überschrieben. Vorher müssen Sie aber Unterhalt und Zugewinnausgleich klären. Andernfalls drohen später finanzielle Nachteile. Denn das Wohnen im eigenen Haus führt in der Mehrzahl aller Fälle zu einem höheren Einkommen und damit zu einer höheren Unterhaltspflicht. Die Hausübernahme vor Beendigung der Ehe stellt ferner einen Zugewinn an Vermögen dar. Der Vermögenszuwachs bei einem Ehepartner kann zu einem Zugewinnausgleichsanspruch des anderen Ehepartners führen. Sie sollten die Immobilie also nicht einfach auf einen von beiden überschreiben, ohne alle anderen Scheidungsfolgen in diesem Zusammenhang mitzuklären und zu regeln. Weiterhin muss geklärt werden, dass der übergebende Ehegatte von der Bank auch vollständig aus der Haftung für den Hauskredit entlassen wird. Ohne vorherige Äußerung der Bank dazu sollte kein Notarvertrag beurkundet werden.

4.2 Der Hausverkauf bei oder nach Scheidung.

Wenn Sie die gemeinsame Immobilie wegen der Scheidung verkaufen wollen, sollten Sie auf Folgendes achten:

  • Vereinbaren Sie vor der Scheidung wie lange jeder Ehegatte längsten im Haus bleibt. Vereinbaren Sie konkrete Räumungstermine.
  • Einigen sie sich auf einen Mindestverkaufspreis.
  • Klären Sie mit der Bank, ob eine Vorfälligkeitsentschädigung für die Ablösung des Hauskredits zu zahlen ist.
  • Klären Sie, wie die Aufteilung und Auszahlung des Verkaufserlöses unter ihnen erfolgt.
  • Klären Sie, wie sich der Hausverkauf auf den Zugewinnausgleich bei Scheidung auswirkt.
  • Klären Sie, ob für den Hausverkauf Steuern zu zahlen sind.
  • Lassen Sie einen Energieausweis für die Immobilie erstellen.
  • Wenden Sie sich an einen Makler vor Ort. Klären Sie mit diesem Maklerbüro den erzielbaren Preis, die weiteren benötigten Unterlagen und den Verkaufszeitraum. Der Makler prüft für Sie in der Regel auch die Zahlungsfähigkeit potenzieller Kaufinteressenten. Das ist sehr hilfreich.
  • Listen Sie sämtliche Mängel des Hauses sorgfältig auf, verschweigen Sie keine Schäden am Haus.
  • Klären Sie, was mit dem Haus alles mit verkauft wird. Denken Sie an die Einbauküche und ähnliches.

4.3 Die Teilungsversteigerung oder wie Sie den Hausverkauf nach Scheidung dennoch erzwingen.

Wenn Sie sich mit Ihrem Ehegatten nicht einigen können, wer das gemeinsame Haus bekommt oder ob es verkauft wird, können Sie nur ein Antrag auf Teilungsversteigerung stellen. Denn es ist nicht möglich, den Hausverkauf auf andere Weise zu erzwingen. Die Immobilie wird dann durch das Vollstreckungsgericht öffentlich versteigert. Diesen Antrag kann jeder stellen, der Miteigentümer ist. Grundsätzlich ist die Zustimmung des anderen nicht notwendig. Eine Ausnahme liegt vor, wenn Sie noch nicht geschieden sind, der Zugewinnausgleich noch nicht geklärt ist und es sich bei dem Haus um Ihr nahezu gesamtes Vermögen handelt. Dann können Sie ohne die Zustimmung des anderen Ehegatten eine Teilungsversteigerung erst nach der Scheidung durchführen lassen. Leben Sie im Güterstand der Gütergemeinschaft, kann der Antrag auf Teilungsversteigerung erst nach Rechtskraft der Scheidung oder mit Zustimmung des anderen erfolgen. Der Verkauf an einen Dritten ist einer Teilungsversteigerung immer vorzuziehen.

4.4 Sollten Sie das gemeinsame Haus nach Scheidung behalten?

Die einfache Antwort ist nein. Verkaufen Sie das Haus. Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe. Erster Grund, Sie vermeiden Streit. Denn wenn einer der Ehegatten das Haus behalten will - oder sogar beide das Haus jeweils für sich haben wollen, wird es kompliziert. Dann wird regelmäßig über den Preis für den Anteil des Anderen gestritten. Diese Situationen eskalieren immer dann, wenn zu viele Gefühle involviert sind und der gesunde Menschenverstand unbeachtet bleibt. Die Ursachen sind vielfältig. Eltern wollen ihren Kindern das gewohnte Umfeld erhalten oder die Eheleute denken an die vielen Stunden Eigenleistungen, die im Haus stecken. Sehr oft muss dann der, der das Haus unbedingt erhalten will, dafür einen überhöhten Preis an den Anderen zahlen. Denken Sie auch daran, dass Sachverständigengutachten Geld kosten und nicht immer den sofort und tatsächlich erzielbaren Verkaufspreis widerspiegeln. Wenn Sie das Haus gemeinsam verkaufen, tragen beide Ehegatten auch das gleiche Verkaufsrisiko. Wenn die Ehegatten keine Einigung zum Haus finden, bleibt noch die Möglichkeit, eine Teilungsversteigerung nach der Scheidung zu beantragen. Der zweite Grund, der für einen Hausverkauf spricht, sind die Unterhaltungskosten. Denn Hauseigentümer zu sein, ist nicht immer so einfach und schön, wie es die Werbung der Bausparkassen vermittelt. Da können versteckte Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen auftauchen, die Sie dann unvermittelt treffen. Denken Sie zum Beispiel an zukünftig mögliche Beiträge für Straßenausbau, Stadtsanierung, oder Instandhaltung des Trinkwasser- oder Abwassernetzes. Denken Sie auch an Kosten für regelmäßig notwendige Instandhaltungsarbeiten am Haus und an den Zeitaufwand für die Grundstückspflege in der Freizeit. Auch Rasen mähen, Hecken schneiden, Schnee räumen, Unkraut jäten kosten Sie entweder Zeit oder Geld. Die Unterhaltungskosten für das Haus müssen Sie unter Umständen zusätzlich zu den Unterhaltszahlungen aufbringen. Deshalb ist es oft einfacher, das Haus zu verkaufen und neu anzufangen.

4.5 Ein Wertgutachten zum Haus ist bei Scheidung hilfreich.

Immer dann, wenn das Haus bei Scheidung auf ein Ehegatten überschrieben werden und der andere ausgezahlt werden soll, stellt sich die Frage nach dem Wert. Genügt es, das Haus nur schätzen zu lassen oder muss ein richtiges Wertgutachten erstellt werden. Dafür gibt es keine allgemein gültige Antwort. Es hängt von den Ehegatten selbst ab. Das Wertgutachten kostet Geld. Die Kosten hängen vom Hauswert und dem Aufwand der Bewertung ab. Die Bewertung von Grundstücken erfolgt seit 01.07.2010 nach der Verordnung über die Grundsätze für die Ermittlung der Verkehrswerte von Grundstücken (ImmoWertV) vom 19.05.2010. Die ImmoWertV wird ergänzt durch eine Richtlinie vom 11.01.2011 zur Ermittlung von Bodenrichtwerten nach § 10 ImmoWertV. Zu beachten ist weiter die Sachwertrichtlinie (SWRL) vom 05.09.2012. Maßgeblich für die Bewertung ist der Verkehrswert (= Marktwert), der sich grundsätzlich nach dem Preis richtet, der am Wertermittlungsstichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse zu erzielen wäre. Die Ermittlung des Verkehrswertes erfolgt nach dem Vergleichswertverfahren, dem Ertragswertverfahren sowie dem Sachwertverfahren oder nach mehreren dieser Verfahren. Maßgeblich ist jedoch nach wie vor der wirkliche Wert. Gerade bei Berechnung des Zugewinns bedarf es zur Vorbereitung eines gerichtlichen Verfahrens häufig der Ermittlung des Wertes von Immobilien. Erfahrungsgemäß gehen hier die Vorstellungen der Ehegatten oft weit auseinander. Ein von nur einem Ehegatten in Auftrag gegebenes Wertgutachten hilft da auch nicht immer weiter. Denn der andere ist an so ein Privatgutachten nicht gebunden. Auch von einem zunächst gemeinsam beauftragten Gutachten kann jeder Ehegatte zurücktreten, wenn er mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist. Abhilfe kann hier ein vorher geschlossener Schiedsgutachtenvertrag schaffen. Denkbar ist auch - allerding als letztes Mittel - ein selbständiges gerichtliches Beweisverfahren über den Immobilienwert. Damit ließe sich auch die doppelte Kostenbelastung aus zwei Privatgutachten vermeiden.

4.6 Wie sich das gemeinsame Haus auf den Zugewinnausgleich bei Scheidung auswirkt.

Ehegatten ohne Ehevertrag leben in der Regel in einer Zugewinngemeinschaft. Die wird mit Rechtskraft der Scheidung beendet. Hat ein Ehegatte in der Ehe Vermögen erworben, hat er einen Zugewinn erzielt. Hat ein Ehegatte mehr Zugewinn erwirtschaftet als der andere, ist ein Zugewinnausgleich zu zahlen. Soweit so gut. Gehört ein Haus beiden Ehegatten gemeinsam, haben beide insoweit auch einen gleich hohen Zugewinn in der Ehe erzielt. Auf den genauen Wert des Hauses kommt es dann nicht an. Dazu folgendes Beispiel:

Anton und Berta haben bei Heirat kein Vermögen. 20 Jahre später werden sie geschieden. Anton und Berta sind gemeinsam Eigentümer eines Einfamilienhauses. Berta hat noch Aktien im Wert von 50.000,00 €. Anton und Berta geraten in Streit über den Wert des Hauses. Anton meint, die Immobilie sei 300.000,00 € wert, Berta meint 400.000,00 €.

 

Lösung bei Hauswert 300.000,00 €:

Zugewinn Anton: 150.000,00 € Haus

Zugewinn Berta: 150.000,00 € Haus + 50.000,00 € Aktien = 200.000,00 €

Differenz der Zugewinne: 50.000,00 €

Zugewinnausgleich (1 / 2)

Zahlung von Berta an Anton: 25.000,00 €

 

Lösung bei Hauswert 400.000,00 €:

Zugewinn Anton: 200.000,00 € Haus

Zugewinn Berta: 200.000,00 € Haus + 50.000,00 € Aktien = 250.000,00 €

Differenz der Zugewinne: 50.000,00 €

Zugewinnausgleich (1 / 2)

Zahlung von Berta an Anton: 25.000,00 €

 

Sie sehen in beiden Fällen beträgt der von Berta an Anton zu zahlende Zugewinnausgleich 25.000,00 €. 

Hier wäre die Einholung eines Wertgutachtens nicht sinnvoll gewesen! 

Das ist jedoch nicht immer so. Die Rechnung ändert sich grundlegend, wenn ein Ehegatte bei Scheidung Schulden hat.

5. Was mit dem Hauskredit nach der Scheidung wird.

Mit dem Scheitern der Ehe entfällt die von den Eheleuten bisher gehandhabte Lebensführung. Der früheren Handhabung, z.B. dass der Alleinverdiener die Schulden abzahlt und der andere Ehegatte als gleichwertig anzusehende Beiträge etwa in Form der Haushaltsführung erbringt, ist die Grundlage entzogen. Die Karten werden damit auch für gemeinsame Schulden aus einem Hausdarlehen oder einem privaten Kreditvertrag neu gemischt. Das Gegenseitigkeitsverhältnis, in dem die beiderseitigen Beiträge zur gemeinsamen Lebensführung standen, ist aufgehoben. Grundsätzlich führt die alleinige Schuldentilgung durch einen Ehegatten nunmehr zu einem hälftigen Ausgleichsanspruch gegen den anderen.

6. Die Nutzungsentschädigung für das gemeinsame Haus vor und nach Scheidung.

Ist ein Ehegatte aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen, kann er für seinen Miteigentumsanteil die Zahlung einer Nutzungsentschädigung und die Zahlung der laufenden Kosten des Hauses vom darin noch wohnenden Ehegatten verlangen. Das gilt bis zu Scheidung. Hat ein Ehegatte dem anderen Unterhalt zu zahlen, sind die Nutzungsentschädigung und die Hauskosten jedoch vorrangig bei der Unterhaltsberechnung zu berücksichtigen.

Für die Zeit nach der Scheidung sieht das Gesetz keine Nutzungsentschädigung mehr vor. Muss ein Ehegatte weiter im gemeinsamen Haus wohnen, kann der andere den Abschluss eines Mietvertrages verlangen. Der im Haus wohnende, jetzt geschiedene Ehegatte, hat dann eine Miete zu zahlen. Die Höhe der Nutzungsentschädigung oder der Miete richtet sich nach den ortsüblichen Vergleichsmieten.

7. Die Besonderheit einer Scheidung mit Haus und Kindern.

Das Wohl der im Haushalt lebenden Kinder kann ein Grund für die Zuweisung des Hauses zur Nutzung an den betreuenden Ehegatten sein. Die Belange von Kindern haben bei der Billigkeitsabwägung im Rahmen der Wohnungszuweisung grundsätzlich Vorrang. Im gerichtlichen Verfahren kann die richterliche Anordnung der Überlassung des Hauses an den die Kinder betreuenden Ehegatten bereits erfolgen, wenn deren Wohl nur beeinträchtigt ist. Entscheidend ist, ob ein erträgliches Auskommen der Familie unter einem Dach noch möglich ist. Gerade das Interesse der Kinder kann dazu führen, dass die Wohnung im Zweifelsfalle demjenigen Elternteil überlassen wird, der für die Kinder zu sorgen hat, selbst dann zumindest vorläufig - wenn der andere Ehegatte Alleineigentümer ist. Damit ist häufig mit der Sorgerechtsverteilung oder der Bestimmung, bei wem die Kinder leben, auch schon die  Entscheidung über die Wohnung gefallen; eine Tendenz, die dazu führt, dass um das Sorgerecht für die Kinder auch mit Blick auf die Wohnung gekämpft wird.

8. Diese 11 Fakten sollten Sie aufklären, bevor Sie eine Entscheidung zum Haus treffen.

Sie lesen diesen Artikel, weil Sie bereits wissen, dass sich etwas verändert. Sie machen sich Sorgen. Sie sind aufgewühlt, im Moment vielleicht sogar kopflos. Sie wollen keine Fehler machen, keinen Schaden erleiden. Sie fragen sich, wie es weiter gehen soll. Was, wenn ich Ihnen sage, dass es eine Lösung gibt und Sie dafür bereits ein mächtiges Werkzeug besitzen. Nämlich Ihren gesunden Menschenverstand. Die Lösung liegt vor Ihnen. Sie müssen nur aktiv werden und die Fakten zusammentragen. Treffen Sie nur dann eine Entscheidung, wenn Sie alle Fakten, Daten und Zahlen kennen. Dann kann nichts schief gehen. Sie sollten sich über Folgendes Gewissheit verschaffen:

  • Wie hoch Ihr tatsächlich verfügbares Einkommen ist.
  • Wie sich das Haus auf den Unterhalt auswirkt.
  • Wieviel Vermögen sie in der Ehe hinzuerworben haben.
  • Wie sich das Haus auf den Zugewinnausgleich auswirkt.
  • Ob es einen Ehevertrag gibt.
  • Wer im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist.
  • Ob die Bank den übergebenden Ehepartner aus dem Kredit entlässt.
  • Wie hoch die monatlichen Kosten für das Haus sind.
  • Was ist das Haus wert.
  • Wieviel Wohnfläche Sie wirklich benötigen.
  • Wie flexibel Sie zukünftig sein wollen, finanziell und örtlich.
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